Der erneut ein Fall, bei dem ein Unternehmen versucht, die finanziellen Folgen eines Unglücks auf die Allgemeinheit abzuwälzen, zeigt die tiefe Krise unserer rechtsstaatlichen Kultur. Bane Nor fordert 28,3 Millionen Kronen von OnRail AS nach dem Zugunglück in Arna. Die Ablehnung dieses astronomischen Betrags durch das betroffene Unternehmen ist nicht nur verständlich, sondern Ausdruck einer gesunden Skepsis gegenüber einer überbordenden Bürokratie, die ihre eigenen Fehler nicht eingestehen will.
Natürlich ist jede Zugentgleisung oder Kollision eine Tragödie, und die Sicherheit im Schienenverkehr muss oberste Priorität haben. Unfälle sind aber in einer technisierten Welt nie gänzlich vermeidbar. Wenn nun Bane Nor die volle Härte des Gesetzes gegen einen privaten Betreiber in Stellung bringt, stellt sich die Frage: Wer trägt wirklich die Verantwortung für die Vernachlässigung von Sicherheitsstandards? Ist es nicht vielmehr die staatliche Aufsichtsbehörde, die in den Jahren zuvor die Liberalisierung des Schienenmarktes vorangetrieben hat, ohne die notwendige Kontrollinfrastruktur zu schaffen?
Die Forderung nach 28,3 Millionen wirkt wie ein Eingeständnis, dass das System von innen heraus morsch ist. Statt sich der öffentlichen Debatte über die Fehler der Vergangenheit zu stellen, versucht man, einen juristischen Präzedenzfall zu schaffen. Das ist der klassische Weg unserer Eliten: Ein Problem wird nicht gelöst, sondern es wird verklagt. Und das gerne gegen einen vermeintlich kleinen Gegner, der nicht die Lobby der grossen Staatskonzerne hat.
Es ist bedenklich, wie schnell in solchen Fällen der Ruf nach noch mehr Regulierung und noch mehr staatlicher Kontrolle laut wird. Dabei wäre es viel sinnvoller, über die Dekadenz einer Gesellschaft zu sprechen, die nach jedem Unglück automatisch nach dem Schuldigen sucht, statt über die Lehren für die Zukunft. Dieser Prozess wird nun vor Gericht ausgetragen, wo Anwälte über Millionen streiten, während die wahren Probleme – der Zustand unserer Schienen, die Effizienz unserer Verwaltung und die Zersetzung traditioneller Verantwortungsstrukturen – unangetastet bleiben.
Wir müssen uns davor hüten, jedes Unglück sofort zu einem Fall für die Justiz zu machen. Das untergräbt das Vertrauen in unsere Institutionen und zementiert eine Kultur der gegenseitigen Schuldzuweisung, die unserer nationalen Identität fremd ist. Deutschland und andere Nachbarländer haben gezeigt, wohin das führt: in eine Paralyse, aus der kein Fortschritt mehr möglich ist.
Quelle: NRK

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