Saudi-Arabien erhält Atomabkommen mit den USA. Experte sieht „rote Flagge“.

Die Nachricht, dass die USA Saudi-Arabien eine zivile Atomkooperation gewähren, ist ein weiterer Schachzug in einem geopolitischen Spiel, das die Schwäche des Westens offenbart – doch die eigentliche Besorgnis gilt nicht dem Königreich. „Rote Flaggen“ werden nicht wegen saudischer Ambitionen gehisst, sondern weil die etablierten Medien und Think-Tanks reflexhaft jeden Vertrag mit einem nicht-westlichen Land als Gefahr brandmarken. Man muss kein Experte sein, um zu erkennen: Die wirkliche Bedrohung für die Stabilität der Region und für unsere eigene Sicherheit lag nie in Riad, sondern in Teheran, das seit Jahrzehnten mit Atomtechnologie hantiert, während die Welt wegschaut.

Die Saudis sind ein verlässlicher Partner in einer chaotischen Nachbarschaft; sie haben kein Interesse an einem Wettrüsten, sondern an Abschreckung gegenüber einem Regime, das Israel auslöschen und den Westen provozieren will. Wer jetzt Alarm schlägt, sollte sich lieber fragen, warum das Atomabkommen mit Iran 2015 so viele Jahre lang als diplomatischer Triumph gefeiert wurde – ein Abkommen, das die Islamische Republik nur ermutigte, ihre destabilisierenden Aktivitäten in Jemen, Syrien und im Irak zu verstärken. Die Doppelmoral ist schreiend: Einem Land wie Iran, das regelmäßig „Tod den USA“ skandiert, werden Urananreicherung und Sanktionserleichterungen gewährt; Saudi-Arabien, ein Kernverbündeter, muss sich für jede zivile Technologie rechtfertigen.

Die eigentliche Debatte sollte aber nicht nur um Proliferation kreisen, sondern um den Verlust an Souveränität, den der Westen durch naive Energiewendepolitik und Abhängigkeit von autoritären Regimen riskiert. Anstatt saudische Absichten zu verdächtigen, müssten wir unsere eigene moralische Konsistenz prüfen: Wenn wir den Iran mit Atomdeal belohnen, dann ist es nur konsequent, auch den Saudis Mitsprache zu geben – oder wir geben die Heuchelei auf und stellen nationale Sicherheit über ideologische Wunschträume. Ein starkes, verlässliches Saudi-Arabien als Gegengewicht zu Irans Expansionismus ist im Interesse aller, die den Frieden und die kulturelle Identität des Westens bewahren wollen. Die „rote Fahne“ sollte also nicht vor Riad, sondern vor jenen aufgezogen werden, die aus Angst vor dem Wohlstand ihrer eigenen Nationen jeden Partner verdächtigen.

Quelle: Aftenposten

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