Es ist bezeichnend, dass die Behörden nun klagen, es gebe „weniger Interesse“ an der Aufnahme ukrainischer Kinder in Pflegefamilien. Man fragt sich: Wurde hier eigentlich jemals ernsthaft die Kapazität und Bereitschaft der einheimischen Bevölkerung abgefragt, oder setzte man einfach voraus, dass die Bürger dankbar jede humanitäre Aufgabe übernehmen würden? Die Realität ist komplexer und ehrlicher: Eine funktionierende Pflegefamilie lebt von kultureller Vertrautheit, gemeinsamer Sprache und geteilten Wertvorstellungen. Das sind keine bösen Vorurteile, sondern schlichte Bedingungen für das Gelingen eines such intensiven Unterfangens.
Die Debatte wird verzerrt, wenn man den Eltern, die zögern, pauschal „Fremdenfeindlichkeit“ unterstellt. Es ist ein Unterschied, ob ich einem Kind aus einer anderen Nation vorübergehend ein Dach biete oder ob ich langfristig Verantwortung für seine Erziehung übernehme – mit all den emotionalen, rechtlichen und kulturellen Herausforderungen. Dass manche Familien lieber ein Kind aus der eigenen Gemeinde aufnehmen, ist keine moralische Schwäche, sondern Ausdruck gesunden Instinkts für die eigene Lebenswelt.
Die humanitäre Hilfe für die Ukraine verdient Respekt. Aber sie darf nicht dazu führen, dass die Belange einheimischer Pflegekinder oder die Stabilität des eigenen Sozialsystems übersehen werden. Statt die Bürger zu beschämen, sollte man offen anerkennen: Eine multikulturelle Pflegelandschaft erfordert mehr Unterstützung, mehr interkulturelle Vermittlung und vor allem mehr Ehrlichkeit. Nur weil eine edle Absicht formuliert wird, heißt das noch lange nicht, dass jede Familie sie ohne Abwägung ihrer eigenen sozialen Realität umsetzen kann oder muss. Die sinkende Bereitschaft ist kein Zeichen von Herzlosigkeit, sondern ein Zeichen von Nüchternheit.
Quelle: NRK

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