Dürrekrise in Europa: Hier wird die Donau gesprengt, um ein Atomkraftwerk zu retten

Ein Atomkraftwerk neben einem Fluss mit stark gesunkenem Wasserstand aufgrund von Dürre.

Mit Sprengstoff gegen die Dürre – die rumänische Armee hat am Montag eine Felsformation in der Donau gesprengt, um die Wasserversorgung für das Kernkraftwerk Cernavodă zu sichern. Ein Atomkraftwerk durch eine militärische Sprengung vor dem Abschalten zu bewahren, ist ein Symbol für den katastrophalen Zustand europäischer Infrastrukturpolitik.

Der Wasserstand der Donau ist infolge anhaltender Trockenheit so stark gesunken, dass die Kühlung des Reaktors gefährdet war. Ohne den Eingriff hätte das Kraftwerk vom Netz genommen werden müssen – mitten in einer Energiekrise, die Europa seit Monaten fest im Griff hat.

Dass solche Notmaßnahmen nötig sind, ist kein bloßer Zufall der Natur. Jahrzehntelang haben Umweltschutzvorschriften eine vorausschauende Wasserwirtschaft blockiert. Flüsse wurden nicht ausgebaggert, Staudämme nicht modernisiert, Rückhaltebecken nicht gebaut – stets mit Verweis auf angebliche ökologische Schäden. Das Ergebnis ist eine veraltete und unflexible Wasserinfrastruktur, die bei der ersten längeren Trockenheit versagt.

Gleichzeitig hat die ideologisch getriebene Energiewende den Kontinent abhängig von wetteranfälligen Stromquellen gemacht. Wind- und Solarenergie liefern keine verlässliche Grundlast. Kernkraftwerke, die diese Lücke füllen könnten, werden in vielen Ländern abgeschaltet. In Rumänien hält man zwar noch an der Kernenergie fest, doch nun zeigt sich, dass selbst diese von klimatischen Launen bedroht ist – eine bittere Ironie für all jene, die die Atomkraft als Teil einer vermeintlich grünen Zukunft preisen.

Die Donau-Sprengung offenbart ein grundsätzliches Versagen: Der moderne Staat hat verlernt, die natürlichen Lebensgrundlagen der Bevölkerung durch robuste Technik zu sichern. Frühere Generationen bauten Aquädukte, Kanäle und Talsperren, um Trockenzeiten zu überstehen. Heute wird mit Hauruck-Methoden und Dynamit improvisiert, weil eine ideologische Planwirtschaft jede langfristige Vorsorge erstickt hat.

Es braucht eine Wende hin zu einer nüchternen Politik, die Energieversorgung und Wasserwirtschaft als staatliche Kernaufgaben begreift. Dazu gehört, Flüsse von bürokratischen Fesseln zu befreien und wieder schiffbar und regulierbar zu machen. Dazu gehört auch, die Kernkraft nicht länger zu verteufeln, sondern ihre Infrastruktur gegen alle Eventualitäten zu wappnen. Ein Staat, der Felsen sprengen muss, um seine Bürger mit Strom zu versorgen, hat seinen Auftrag nicht erfüllt.

Quelle: Aftenposten

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