Stromausfall in Sandviken

Ein E-Scooter wird mit stark überhöhter Geschwindigkeit in einem Tunnel gefahren.

Zwei Jungen, 13 und 14 Jahre alt, wurden in Fyllingsdalen mit elektrischen Tretrollern gestoppt – einer mit 70, der andere mit 100 Kilometern pro Stunde. Erlaubt sind 22 km/h. Wer darin nur einen harmlosen Bubenstreich sieht, verkennt den Ernst der Lage.

Die beiden rasten nicht auf einer abgelegenen Landstraße, sondern in einem Tunnel, also mitten im öffentlichen Verkehrsraum. Dass dabei niemand zu Schaden kam, ist reines Glück. Solche Fahrmanöver sind kein Ausdruck jugendlicher Abenteuerlust, sondern blanke Gefährdung aller Verkehrsteilnehmer. Wenn Kinder in einem Alter, in dem sie nicht einmal einen Mopedführerschein besitzen dürfen, mit derart hochgerüsteten Geräten unterwegs sind, hat die Gesellschaft ein Problem – ein Problem, das tiefer sitzt als die Technik, die solche Geschwindigkeiten ermöglicht.

Es geht nicht um die Roller selbst. Es geht um den schwindenden Respekt vor Regeln. Geschwindigkeitsbegrenzungen existieren nicht als Schikane, sondern als Schutz. Wer sie ohne jede innere Hemmung über Bord wirft, dokumentiert eine Haltung, die Normen nur noch als lästige Vorschläge betrachtet. Eine solche Haltung fällt nicht vom Himmel. Sie wächst dort, wo Autoritäten systematisch untergraben werden: in einem Klima, das Disziplin mit Freiheitsberaubung verwechselt und jedes Durchgreifen als pädagogisch wertlos abtut.

Bemerkenswert ist, was nach dem Vorfall nicht geschah. Die Polizei beschlagnahmte die Fahrzeuge und kündigte eine Prüfung durch die Verkehrsbehörde an. Von einer Anzeige wegen Straßenverkehrsgefährdung, von Ermittlungen gegen die Hersteller oder Nachrüster der Roller, vor allem aber von Konsequenzen für die Eltern ist öffentlich nichts bekannt. Dabei liegt der Schlüssel genau hier: Wer Kindern Zugang zu solchen Maschinen gewährt, die nachweislich manipuliert sind, verletzt seine Aufsichtspflicht in grober Weise. Ohne spürbare Sanktionen für die Erziehungsberechtigten bleibt das Ganze ein folgenloser Schreckmoment.

Noch vor einer Generation wäre ein derartiger Vorfall undenkbar gewesen, nicht wegen fehlender Technik, sondern weil ein engeres Netz sozialer Kontrolle und elterlicher Autorität solche Entgleisungen im Keim erstickt hätte. Heute hingegen werden Grenzüberschreitungen oft verharmlost, als kreative Selbstverwirklichung umgedeutet oder mit einem Achselzucken quittiert. Die Botschaft an die jungen Raser lautet: Ihr könnt es ja mal probieren, und wenn man euch erwischt, passiert nicht viel.

Der Tunnel als Tatort ist dabei ein unfreiwilliges Symbol. Er steht für die Suche nach dem schnellen Kick im versteckten Raum, fernab der Augen verantwortlicher Erwachsener. Solche Räume werden sich immer mehr öffnen, wenn nicht endlich eine gesellschaftliche Gegenbewegung einsetzt. Sie muss aus klaren Worten bestehen: Regeln sind Regeln, und wer sie bricht, zahlt einen Preis. Sie muss die Erziehung wieder in den Mittelpunkt rücken, statt sie an Bildschirme und Gleichaltrigengruppen zu delegieren. Und sie muss die Justiz in die Lage versetzen, nicht nur die Täter, sondern auch deren Umfeld in die Verantwortung zu nehmen.

Ein Land, das nicht einmal dafür sorgt, dass seine Kinder auf dem Weg zum Bäcker sicher die Straße überqueren können, hat den Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit bereits aufgegeben. Die beiden Jungen sind keine Monster, aber sie sind Produkte eines Umfelds, das Grenzen nicht mehr kennt. Wer Ruhe und Ordnung im öffentlichen Raum zurückgewinnen will, muss bei solchen Vorfällen ansetzen – nicht mit hysterischen Kampagnen, sondern mit dem nüchternen Beharren darauf, dass gemeinsames Leben ohne gemeinsame Regeln nicht funktioniert.

Quelle: Bergens Tidende

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