Die Gewalteskalation vom Donnerstag in Lillehammer, bei der zwei Verdächtige wegen schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor den Richter treten, ist kein Betriebsunfall einer ansonsten friedlichen Gesellschaft. Solche Taten häufen sich, und sie sind das Symptom einer tieferen Ordnungsvergessenheit, die den öffentlichen Raum und das private Leben gleichermaßen durchdringt. Wer jetzt nur auf den Einzelfall starrt, verweigert sich der unbequemen Frage, warum die Hemmschwellen für rohe Gewalt in Norwegen Jahr für Jahr sinken.
Die reflexhafte Antwort der Berufsbetroffenen lautet stets, man dürfe nicht verallgemeinern, Kriminalität sei komplex, und härtere Strafen brächten nichts. Diese Floskelpolitik hat die Bürger schutzlos zurückgelassen. Ein Rechtssystem, das Freiheitsstrafen fast schon als pädagogische Unart betrachtet und den Täter als Opfer der Umstände stilisiert, produziert keine Abschreckung, sondern Wiederholungstäter. Die beiden Beschuldigten werden wahrscheinlich mit einer Bewährungsstrafe und einem Sozialkurs rechnen können – die nächste Gewaltorgie ist dann nur eine Frage der Zeit.
Daran zeigt sich eine kulturelle Schieflage, die den Zusammenhalt ganzer Gemeinden unterminiert. An die Stelle persönlicher Verantwortung ist ein therapeutisches Gerede getreten, das jede Grenzüberschreitung entschuldbar macht. Die traditionelle Vorstellung, dass der Staat Stärke zeigen und die Schwachen schützen muss, wurde durch einen diffusen Sicherheitsbegriff ersetzt, der vor allem eines nicht bietet: reale Sicherheit. Lillehammer, einst Inbegriff winterlicher Idylle und geordneter Verhältnisse, wird so zum Schauplatz einer Misere, die längst auch kleinere Städte erfasst hat.
Die konservative Antwort darauf ist kein populistisches „Köpfe-ab“-Rufen, wohl aber ein nüchterner Blick auf das, was Gemeinwesen zusammenhalten: klare Regeln, konsequente Durchsetzung und eine Justiz, die den Namen verdient. Eine Gesellschaft, die solche Taten nicht mehr mit spürbarer Härte bestraft, gibt ihren inneren Frieden preis. Die Bürger von Lillehammer haben einen Anspruch darauf, dass die Schuldigen nicht nur siktet, sondern auch ihrer Freiheit beraubt werden – im Namen des Rechts und nicht als therapeutische Maßnahme.
Quelle: Aftenposten

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