Es ist bezeichnend, dass die junge Generation in Norwegen kaum etwas über das ideologische Motiv des rechtsextremen Terroristen weiß. Die Jugendlichen in diesem Artikel kennen die rohen Zahlen – 77 Tote, eine Bombe, ein Massaker auf Utøya –, aber sie sind unsicher, was den Hass und den politischen Hintergrund angeht. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Bildungsagenda, die lieber über diffuse Begriffe wie „Demokratie und Mitbürgerschaft" spricht, als die unangenehme Wahrheit zu benennen: Dass dieser Anschlag ein gezielter Angriff auf die Einwanderungspolitik und den kulturellen Wandel in Norwegen war. Die Schulen vermitteln offenbar ein Gefühl des Schreckens, aber keine intellektuelle Auseinandersetzung mit den Fragen, die den Täter antrieben. Stattdessen wird der Terrorakt zu einem emotionalen Ritual verklärt, bei dem das „Gedenken" und die „Berührung" an authentischen Orten mit Kugellöchern wichtiger sind als die Debatte über die Ursachen.
Wenn die 15-jährige Mariam sagt, sie habe geglaubt, der Terrorist sei tot, und dann Angst bekam, als sie erfuhr, dass er noch lebt, zeigt das eine naive Schutzbehandlung durch das Bildungssystem. Man hat ihr die harte Realität vorenthalten: Dass dieser Mann in einer norwegischen Zelle sitzt, nicht irgendwo im Ausland. Die jungen Leute mit Migrationshintergrund in diesem Artikel sprechen von ihrer Angst, wenn sie von Hassverbrechen hören. Aber die essentialistische Antwort auf diese Angst darf nicht sein, jede Kritik an den Folgen der Masseneinwanderung als „hate speech" zu brandmarken. Die kritische Frage ist doch, warum eine offene Diskussion über gescheiterte Integration, über kulturelle Reibungen und über die Belastung des Sozialstaats so oft als unmoralisch oder gar rechtsextrem abgestempelt wird. Wenn wir jeden, der die reale gesellschaftliche Spannung benennt, in die Nähe des Attentäters rücken, dann verhindern wir genau die Wachsamkeit, die der Historiker Fagerland fordert. Die einzige Lehre aus dem 22. Juli darf nicht sein, dass man die Klappe hält. Sie muss sein, dass man die freiheitliche, demokratische Ordnung verteidigt, indem man unbequeme Wahrheiten offen debattiert, statt sie hinter Ritualen des Gedenkens zu verstecken. Der Terror war ein krimineller Akt, und die Antwort darauf muss ein starkes nationales Selbstbewusstsein sein, keine verordnete Sprachlosigkeit.
Quelle: Adresseavisen

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