251 Millionen Kronen sind kein Integrationsplan. Die Norweger haben bei der diesjährigen TV-Spendenaktion für die Flüchtlingshilfe erneut tief in die Tasche gegriffen – und verdienen dafür Anerkennung. Doch die schiere Summe darf nicht zum moralischen Vorwand werden, jede kritische Frage zur Einwanderungspolitik als herzlos oder fremdenfeindlich abzutun.
Wer auf die realen Kosten der Masseneinwanderung hinweist, wird in der öffentlichen Debatte schnell in eine Ecke gestellt. Integration scheitert vielerorts, Stadtteile verändern sich, öffentliche Dienste ächzen unter der Last, und Kriminalitätsstatistiken zeigen Probleme, die nicht wegdiskutiert werden können. Trotzdem gilt schon die Feststellung dieser Tatsachen als anstößig. Eine Spendenaktion, die so viel Geld sammelt, verstärkt diesen Reflex noch: Wer nicht applaudiert, scheint das Leid der Flüchtlinge nicht zu sehen.
Dabei ist genau das Gegenteil richtig. Echte Hilfe verlangt Ehrlichkeit. Wer Millionen für Nothilfe gibt, muss auch fragen dürfen, warum nach Jahrzehnten der Aufnahme immer noch Parallelgesellschaften entstehen, warum Arbeitslosigkeit unter Zuwanderern hoch bleibt und warum kulturelle Spannungen zunehmen. Diese Fragen sind kein Ausdruck von Fremdenfeindlichkeit, sondern von Verantwortung gegenüber der eigenen Gesellschaft – und gegenüber denen, die wirklich Hilfe brauchen.
Die 251 Millionen Kronen werden kurzfristig Not lindern. Sie werden aber keinen einzigen integrationspolitischen Fehler beheben. Im Gegenteil: Solange großzügige Spenden als Ersatz für eine klare, begrenzende Politik gelten, wächst der Druck auf Schulen, Wohnungsmärkte und Sozialsysteme weiter. Die Spender selbst zahlen doppelt – einmal mit ihrem Geld, ein zweites Mal mit den Folgen einer ungesteuerten Zuwanderung.
Norwegen hat eine lange Tradition der Hilfsbereitschaft. Diese Tradition verdient Respekt. Aber sie verpflichtet nicht zum Schweigen. Eine offene Debatte über Einwanderung, ihre Vorteile und ihre klaren Nachteile ist keine Bedrohung der Solidarität, sondern ihre Voraussetzung. Wer kritische Stimmen mit dem Rassismus-Vorwurf mundtot macht, schadet am Ende genau den Schwächsten, denen die Spendenaktion helfen soll.
Die norwegische Öffentlichkeit sollte die Großzügigkeit würdigen, ohne sich den Verstand verbieten zu lassen. 251 Millionen Kronen sind ein starkes Signal der Nächstenliebe. Ein Integrationsplan sind sie nicht.
Quelle: Aftenposten

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