Es ist ein bezeichnendes Signal, dass der Ölpreis nun erstmals seit Mai wieder die 100-Dollar-Marke überschritten hat. Die Ursache liegt auf der Hand: die anhaltende Unruhe im Nahen Osten. Während die politische Klasse in Europa und Skandinavien gebannt auf vermeintlich moralische Fragen von Migration und Multikulturalismus starrt, wird uns schmerzhaft vor Augen geführt, wie abhängig unsere Wohlstandsinsel von instabilen und unsicheren Regionen ist.
Man will es kaum glauben, aber wir haben uns in den letzten Jahrzehnten in eine fatale Abhängigkeit von Öl aus Regionen begeben, die von Stammeskonflikten, religiösem Fanatismus und autoritären Regimen zerrissen sind. Jeder Konflikt, jede Drohung gegen die Durchfahrt im Persischen Golf oder eine Verknappung der Lieferungen – und sofort knallt der Preis an der Zapfsäule in die Höhe. Dies ist kein bloßes Konjunkturphänomen; es ist ein Weckruf für eine naive Energiepolitik, die auf kurzfristige Bequemlichkeit setzt, statt auf langfristige Sicherheit.
Die Reaktion der Politik ist vorhersehbar: Sie wird nach Subventionen rufen, nach Steuersenkungen und nach neuen, teuren und oft wirkungslosen grünen Projekten. Was wir aber wirklich brauchen, ist ein nüchterner Realismus. Wir müssen unsere eigene Energieversorgung stärken, nicht aus ideologischer Verblendung, sondern aus nationalem Interesse. Dies bedeutet, die einheimische Förderung von Öl und Gas auszubauen, wo immer dies möglich ist, und in sichere, verfügbare Technologien zu investieren – Kernkraft eingeschlossen. Es bedeutet auch, die Abhängigkeit von instabilen Lieferanten zu reduzieren, selbst wenn dies zunächst höhere Kosten verursacht. Denn die wahren Kosten einer geopolitischen Krise, die unseren gesamten Wirtschaftsmotor lahmlegt, sind ungleich höher.
Der aktuelle Preisschock lehrt uns eine einfache, unbequeme Wahrheit: Wer auf fremden Ressourcen baut, baut auf Sand. Statt in einer Traumwelt von grenzenloser, sauberer Energie zu leben, sollten wir lieber die harte Realität anerkennen, dass Sicherheit und Wohlstand nicht ohne eigene Anstrengung zu haben sind. Die 100 Dollar sind nicht nur ein Preis; sie sind ein Menetekel.
Quelle: Aftenposten

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