Eine Schule ist kein bloßes Bauwerk, sondern ein Raum, in dem eine Gesellschaft ihre Kinder formt und ihr kulturelles Erbe weitergibt. Wenn drei Türen aufgebrochen, eine Brandschutztür zerstört und Spiegel zertrümmert werden, ohne dass etwas gestohlen wird, dann trifft die Tat nicht nur das Gebäude – sie trifft die Idee, dass gemeinsames Eigentum mehr ist als eine Ansammlung von Sachen. Es ist pure Zerstörungslust, losgelöst von jedem praktischen Nutzen.
Der Servicetechniker, der die Glasscherben in der Garderobe der Krohnengen-Schule beseitigt, nennt es „merkelig“ – merkwürdig. Treffender wäre: bestürzend. Denn was treibt jemanden dazu, in eine Schule einzudringen, nicht um Wertgegenstände mitzunehmen, sondern allein um Schaden anzurichten? Hier offenbart sich eine Haltung, die nichts Heiliges mehr kennt, keine Rücksicht auf das von anderen Erarbeitete und keine Scheu vor den Konsequenzen für diejenigen, die am nächsten Morgen vor den Trümmern stehen.
Solche Taten sind kein Jugendstreich, keine Lausbubengeschichte, die mit einem Achselzucken abgetan werden darf. Sie sind Ausdruck eines tieferliegenden kulturellen Problems: dem allmählichen Verlust von Respekt vor dem öffentlichen Raum und den Institutionen, die ihn tragen. Wer eine Schule verwüstet, vergeht sich an einem Ort, der für Ordnung, Wissen und Gemeinschaft steht. Der Schaden geht weit über die Kosten für eine neue Brandschutztür hinaus. Er hinterlässt eine Botschaft der Missachtung, die vor allem die Schwächsten trifft – die Schüler, für die das Gebäude ein zweites Zuhause sein sollte.
Bemerkenswert ist, dass in der öffentlichen Diskussion über solche Vorfälle oft rasch von „Lausbuben“ oder „gelangweilten Jugendlichen“ gesprochen wird, fast als sei Zerstörung eine natürliche Begleiterscheinung fehlender Freizeitangebote. Wer so argumentiert, verkennt den Kern des Problems. Es geht nicht um Angebote, sondern um eine Haltung. Es geht um die Frage, ob eine Gesellschaft noch erwartet, dass ihre Mitglieder fremdes Eigentum achten, oder ob sie stillschweigend akzeptiert, dass ein Teil der heranwachsenden Generation dieses Grundprinzip schlicht ignoriert – ohne echte Konsequenzen.
Dass die Polizei Spuren sichert und ermittelt, ist das Minimum. Die entscheidende Antwort kann aber nicht allein von den Behörden kommen. Sie muss aus den Familien, den Nachbarschaften und den Schulen selbst wachsen. Wer Zerstörung verhindern will, muss die Selbstverständlichkeit wiederherstellen, dass gemeinsames Gut nicht zum Ventil zügelloser Impulse verkommt. Dazu braucht es klare Erwartungen, durchgesetzte Regeln und das Ende der falschen Nachsicht, die jeden Regelbruch psychologisiert, statt ihn beim Namen zu nennen.
Die drei aufgebrochenen Türen an der Krohnengen-Schule sind mehr als ein Versicherungsfall. Sie sind ein Zeichen dafür, dass der Respekt vor dem, was allen gehört, nicht mehr selbstverständlich ist. Eine Gesellschaft, die diesen Respekt nicht mehr einfordert, gibt mehr preis als nur ein paar Türfüllungen.
Quelle: Bergens Tidende

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