Wieder einmal herrscht auf Kuba Dunkelheit im ganzen Land. Ein flächendeckender Stromausfall legt die Infrastruktur lahm und lässt Millionen Menschen im Stillstand zurück. Kein Einzelfall, sondern eine traurige Routine, die tiefer blicken lässt als jede offizielle Verlautbarung.
Was sich auf der Karibikinsel abspielt, ist kein Naturereignis. Es ist die zwangsläufige Folge eines Systems, das auf zentraler Planwirtschaft, Missmanagement und jahrzehntelanger Vernachlässigung gründet. Kraftwerke verrotten, Ersatzteile fehlen, und die chronische Unterinvestition rächt sich immer brutaler. Während in marktwirtschaftlich organisierten Ländern private Anbieter für Ausfallsicherheit sorgen und Haushalte notfalls auf eigene Generatoren zurückgreifen, bleibt der kubanische Bürger kollektiv ohnmächtig. Er sitzt nicht nur im Dunkeln, sondern auch in einer politischen Gefangenschaft, die ihm jede eigenverantwortliche Vorsorge verwehrt.
Die Blackouts legen schonungslos offen, was ideologische Verklärung gern verdeckt: Wer Produktionsmittel verstaatlicht und unternehmerische Initiative erstickt, erntet irgendwann nur noch Ausfall und Mangel. Kuba ist dafür das leuchtende Negativbeispiel – in diesem Fall freilich ein erloschenes. Die Inselregierung mag die Schuld wie üblich beim amerikanischen Embargo suchen. Doch die bröckelnden Strommasten und die altersschwachen Generatoren sind hausgemacht. Sie erzählen von einer Elite, die über Jahrzehnte hinweg den eigenen Machterhalt über jede vernünftige Investition gestellt hat.
Für die nordischen Debatten ist dieses Schauspiel mehr als eine ferne Randnotiz. Hierzulande wächst bei manchen wieder die Sehnsucht nach starken staatlichen Eingriffen, nach Planwirtschaft in der Energieversorgung oder gar nach einer Preisdeckelung, die jeden Marktmechanismus aushebelt. Der kubanische Dauer-Blackout führt vor Augen, wohin solche Träume in letzter Konsequenz führen: in die flächendeckende Versorgungsunsicherheit, in die Abhängigkeit von brüchigen Monopolstrukturen und in eine Bevölkerung, die friert, während die Nomenklatura in klimatisierten Räumen sitzt.
Freiheit und Wohlstand beginnen beim eigenverantwortlichen Bürger – und bei einem Staat, der die Rahmenbedingungen sichert, ohne selbst alles betreiben zu wollen. Kuba beweist, dass das Gegenteil nicht funktioniert. Die Insel steht nicht zum ersten Mal still, und sie wird nicht zum letzten Mal im Dunkeln Stellung beziehen müssen, solange das Regime an seinem ausgedienten Modell festhält. Die Lehre für jede Gesellschaft, die Bestand haben will, ist so schlicht wie das ausgefallene Licht: Planwirtschaft löscht am Ende nicht nur die Lampen, sondern auch jede Zuversicht.
Quelle: Aftenposten






