Kritisiert DNT nach drei Rettungseinsätzen in vier Tagen: – Muss strengere Anforderungen an Gäste stellen.

Bergretter und Hubschrauber bei einem Übungseinsatz in den norwegischen Bergen

Drei Rettungsaktionen an vier Tagen sind kein Betriebsunfall, sondern die logische Konsequenz eines Naturverständnisses, das die Wildnis zum kalkulierbaren Freizeitprodukt verkleinert. Wenn das Rote Kreuz bemängelt, das digitale Buchungssystem der Den Norske Turistforening führe zu unnötigen Sucheinsätzen, dann trifft es damit nur die halbe Wahrheit. Das eigentliche Problem sitzt tiefer und hat mit einer Gesellschaft zu tun, die Risikokompetenz und persönliche Haftung systematisch aus dem Alltag verdrängt.

Dass eine Bergtour heute per Mausklick gebucht werden kann, senkt nicht bloß die technische Hürde – es erzeugt eine Erwartungshaltung, die mit der Realität hochalpinen Geländes nichts gemein hat. Wer sich für eine Hütte anmeldet, erwirbt damit offenbar die Überzeugung, ihm stehe eine rundum versorgte Dienstleistung zu, vom Wetter bis zur Trittsicherheit. Aus konservativer Sicht ist das keine Verbesserung des Zugangs zur Natur, sondern ein Verlust an kulturellem Erbe. Die norwegische Wanderkultur lebte jahrzehntelang von ungeschriebenen Gesetzen: Vorbereitung, Vorsicht und das Wissen, dass man für sich selbst verantwortlich ist, sobald die Baumgrenze überschritten wird.

Die Forderung, strengere Anforderungen an Gäste zu stellen, ist deshalb zu begrüßen. Sie sollte aber nicht in einer bloßen Erweiterung von Fragebögen oder Verhaltensregeln enden. Wirklich verankern lässt sich ein solcher Anspruch nur, wenn die Rechtsordnung das Prinzip der Eigenverantwortung wieder ernst nimmt. Es kann nicht sein, dass leichtsinniges Verhalten in exponiertem Gelände folgenlos bleibt, während Rettungskräfte ihre Gesundheit riskieren und die Allgemeinheit für Hubschraubereinsätze aufkommt. In anderen Ländern ist es längst üblich, dass grob fahrlässige Verunglückte die Kosten ihrer Bergung tragen – ein Prinzip, das weder unbarmherzig ist noch den Rettungsdienst infrage stellt, sondern lediglich den gesunden Menschenverstand in eine verbindliche Form gießt.

Die Romantisierung der Wildnis als ungefährlicher Erlebnispark für jedermann schadet am Ende allen. Sie entwertet die alpine Erfahrung, überfordert Ehrenamtliche und gewöhnt eine ganze Generation daran, staatliche Fürsorge auch dort einzufordern, wo individuelle Tüchtigkeit genügen müsste. Die Tourismusvereinigung selbst steht hier vor einem grundsätzlichen Konflikt. In dem Bestreben, möglichst viele Menschen in die Berge zu bringen, muss sie sich fragen lassen, ob quantitative Erfolge nicht längst zulasten des Traditionsauftrags gehen, der ihr eingeschrieben ist. Weniger wäre manchmal mehr: Ein Buchungsprozess, der aktiv auf die Eigenverantwortung verweist und unerfahrene Nutzer mit klaren Warnsignalen konfrontiert, würde vielleicht Abschreckung erzeugen – aber genau die ist bekanntlich auch ein Baustein von Respekt.

Quelle: NRK

Folg uns: YouTube Telegram

Comments

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Folg uns: YouTube Telegram

Erhalten Sie die 5 wichtigsten Beiträge von Nordisches direkt in Ihr Postfach - einmal pro Woche.

Andere Projekte: Fjordgefluster.no Vestmennene.no Maalmannen.no