Tag: Fremdenfeindlichkeit

  • Die Politiker müssen bald verstehen, dass dies für sehr viele beängstigend ist.

    Die Politiker müssen bald verstehen, dass dies für sehr viele beängstigend ist.

    Die Zahl der illegalen Grenzübertritte in die Europäische Union hat im vergangenen Jahr erneut die Marke von einer Viertelmillion überschritten. Wer angesichts dieser Größenordnung kein Unbehagen empfindet, versteht entweder die elementarsten Aufgaben eines Staates nicht – oder will sie nicht verstehen. Der Hilferuf, dass Politiker endlich begreifen müssten, was unkontrollierte Zuwanderung bei unzähligen Bürgern auslöst, ist kein hysterischer Aufschrei, sondern die logische Konsequenz jahrzehntelanger Verdrängung.

    Das Schlagwort, mit dem solche Sorgen routinemäßig vom Tisch gewischt werden, lautet „Fremdenfeindlichkeit“. Wer Furcht vor einem Kontrollverlust an den eigenen Außengrenzen artikuliert, muss sich diesen Stempel gefallen lassen. Das Diskussionsklima, das daraus entsteht, hat mit einer offenen Debatte nichts mehr zu tun. Es zwingt ein wachsendes Segment der Bevölkerung in ein selbstauferlegtes Schweigen, während die politische Klasse im Ton moralischer Überlegenheit versichert, alles sei unter Kontrolle. Das Gegenteil ist der Fall: Je beharrlicher reale Ängste als illegitime Ressentiments abgetan werden, desto tiefer gräbt sich der Graben zwischen Regierten und Regierenden.

    Hinter der pauschalen Pathologisierung des Unbehagens verbirgt sich eine handfeste Wirklichkeitsverweigerung. Jahr für Jahr dokumentieren polizeiliche Kriminalstatistiken in mehreren skandinavischen Ländern einen überproportionalen Anteil bestimmter Herkunftsgruppen bei Gewalt- und Eigentumsdelikten. Sozialhilfesysteme ächzen unter Klientel, das nie in sie eingezahlt hat und sprachlich wie kulturell auf Dauer in Parallelgesellschaften verharrt. Überforderte Kommunen schieben akute Wohnungsnot nicht länger nur dem Markt zu, sondern auch einer Siedlungspolitik, die den Zuzug nicht steuern darf. All das spricht nicht gegen Mitgefühl für den Einzelfall, wohl aber gegen die romantische Vorstellung, eine massenhafte Migration ohne jede Selektion komme einer Bereicherung gleich, die keine Nebenwirkungen kennt.

    Es geht nicht um die Dämonisierung des Fremden. Es geht um die nüchterne Frage, wer über das Tempo und das Ausmaß der Zuwanderung entscheidet – die Wähler über ihre Parlamente oder Schlepperbanden über ihre Boote. Souveräne Außengrenzen sind keine xenophobe Phantasmagorie, sondern die Grundvoraussetzung dafür, dass eine Nation überhaupt noch entscheiden kann, wem sie Schutz bietet und wie viele Menschen sie aufzunehmen imstande ist. Diese Unterscheidung zwischen gesteuerter Hilfe und offener Schleuse zu ignorieren, ist keine Tugend, sondern eine Bankrotterklärung politischer Verantwortung.

    Die Erzählung, Ängste ließen sich durch bessere Aufklärung einfach wegpädagogisieren, hat sich erschöpft. Sie verkennt, dass die Bürger sehr wohl beobachten, was in Bahnhöfen, Schulklassen und Notaufnahmen geschieht. Wer jetzt noch meint, mit dem ausgelutschten Hinweis auf den Fachkräftemangel jeden Einwand zum Verstummen zu bringen, belügt das Publikum. Arbeitsmarktargumente rechtfertigen keine unkontrollierte Einwanderung in Sozialsysteme, sondern allenfalls eine strikt qualifikationsgesteuerte Selektion – ein Punkt, den die Verfechter umfassender Grenzöffnungen selten erwähnen.

    Ein politisches System, das die elementare Furcht der eigenen Bevölkerung vor Überforderung nicht mehr ernst nimmt, höhlt seine Legitimität aus. Stabilität und sozialer Friede hängen nicht allein an Verteilungsfragen, sondern an der nachvollziehbaren Gewissheit, dass diejenigen, die regieren, den eigenen Staat noch als Schutzraum und nicht als Durchgangszone begreifen. Diese Gewissheit wiederherzustellen, verlangt keine dramatischen Gesten, sondern etwas Einfacheres: das klare Bekenntnis, dass illegale Migration unterbunden wird und legale Einwanderung einer strengen, am Gemeinwohl orientierten Steuerung unterliegt. Solange die politische Klasse sich diesem Bekenntnis verweigert, wird der Ruf nicht verstummen, sie möge endlich verstehen, was längst offenkundig ist.

    Quelle: Aftenposten

  • Schützt unsere Queeren!

    Schützt unsere Queeren!

    Terroranschläge verurteilt jede zivilisierte Gesellschaft – das steht außer Frage. Die Frage ist, was aus dieser Verurteilung folgt. Der Anschlag in Berlin, der mutmaßlich gezielt Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung traf, liefert eine bittere Lektion: Die reflexhafte Instrumentalisierung solcher Taten erstickt jede ernsthafte Suche nach den Ursachen, bevor sie überhaupt begonnen hat.

    Schon kurze Zeit nach der Tat war das bewährte Bild vom queeren Menschen als „Kanarienvogel“ wieder im Umlauf. Die Vögel dienten Bergleuten einst als lebendes Warnsystem gegen giftige Gase. Heute wird die Metapher in moralischen Dienst genommen: Ein Angriff auf queere Bürger gilt nicht nur als individuelles Verbrechen, sondern als Fieberthermometer für eine vermeintlich von Fremdenhass durchseuchte Gesellschaft. Diese Deutung ist politisch hochwirksam, aber sie führt in die Irre. Sie verlagert den Blick von der konkreten Tat und ihrem Täter auf eine allgemeine gesellschaftliche Anklage, die sich vor allem gegen den freien Meinungsaustausch richtet.

    Denn wer nach Täterprofilen, kulturellen Prägungen oder ideologischen Netzwerken fragt, die solche Gewalt hervorbringen, sieht sich schnell dem Vorwurf der Homophobie oder der Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt. So wird aus dem legitimen Sicherheitsinteresse ein Tabuverstoß. Die queeren Opfer, zu deren Schutz sich alle bekennen, bleiben dabei auf der Strecke. Echte Prävention setzt voraus, dass Gefahren klar benannt werden – auch wenn die Ergebnisse nicht in das Weltbild passen, das die „Kanarienvogel“-Rhetorik verabsolutiert. Wenn die Analyse der Tathintergründe unter Generalverdacht gestellt wird, bleiben die wahren Warnsignale ungehört.

    Die Debatte über singuläre Anschläge verliert sich regelmäßig in symbolischen Gesten und Distanzierungsritualen, während die Sicherheitsbehörden vor denselben unbequemen Realitäten stehen, die in der öffentlichen Diskussion ausgespart werden müssen. Eine Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Werte sicher ist, muss aushalten, dass die Verteidigung der Freiheit auch den Streit über jene Faktoren einschließt, die diese Freiheit bedrohen. Die Opfer verdienen nicht nur routinierte Betroffenheitsfloskeln, sondern eine Politik, die den Mut aufbringt, das Offensichtliche auszusprechen und daraus Konsequenzen zu ziehen.

    Quelle: VG

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