Tag: Häusliche Gewalt

  • Die Frau, die am Sonntag mit schweren Verletzungen aufgefunden wurde, ist tot. Ein Mann steht unter Mordverdacht.

    Die Frau, die am Sonntag mit schweren Verletzungen aufgefunden wurde, ist tot. Ein Mann steht unter Mordverdacht.

    Eine Frau ist tot, ein Mann sitzt in Untersuchungshaft – und der Tatort ist kein anonymer Großstadtbezirk, sondern ein Zuhause in der norwegischen Kleinstadt Nærbø. Der Fall macht auf schmerzhafte Weise deutlich, dass Gewalt gegen Frauen keine abstrakte Gefahr ist, die sich in fernen Milieus abspielt. Sie schlägt mitten im Alltag zu, hinter verschlossenen Türen, und oft sind es die nächsten Angehörigen, die zum Täter werden.

    Was an diesem Sonntag in der Wohnung geschah, wird die Justiz aufklären müssen. Für die Öffentlichkeit bleibt ein beunruhigendes Grundmuster: Eine Frau erlag ihren schweren Verletzungen, nachdem sie offenbar nicht rechtzeitig geschützt werden konnte. Der mutmaßliche Täter ist ein Mann, gegen den nun Mordanklage erhoben wird. Jedes derartige Verbrechen ist eine Niederlage für eine Gesellschaft, die Sicherheit und Ordnung zu ihren Kernaufgaben zählt.

    Doch statt nur den Einzelfall zu betrauern, sollte der Blick auf die tieferen Risse fallen. Die moderne Wohlfahrtsgesellschaft hat viele traditionelle Auffangnetze aufgelöst – die enge Nachbarschaft, die selbstverständliche Einmischung von Verwandten, das Gefühl gemeinsamer Verantwortung, das früher in kleinen Gemeinden wie Nærbø selbstverständlich war. An ihre Stelle traten Anonymität und eine falsch verstandene Privatheit, die signalisiert: Was hinter der Wohnungstür geschieht, geht niemanden etwas an. Das ist ein Irrweg. Eine funktionierende Ordnung braucht nicht nur Polizei und Gerichte, sondern auch ein soziales Umfeld, das nicht wegschaut, sondern hinsieht und notfalls eingreift, bevor etwas passiert.

    Die Reaktion auf solche Taten folgt oft einem vorhersehbaren Drehbuch: Betroffenheitsbekundungen, Rufe nach mehr Geld für Hilfseinrichtungen, vielleicht noch eine Debatte über Männlichkeitsbilder. Was dabei regelmäßig fehlt, ist die unbequeme Frage nach dem Verfall von Verbindlichkeit und gegenseitiger Fürsorge in einer individualistisch ausgerichteten Gesellschaft. Es ist nicht fortschrittlich, sondern fahrlässig, wenn das nächste Umfeld einer Frau nicht mehr weiß, was sich in der Beziehung wirklich abspielt. Frühere Generationen hatten ein feineres Gespür für drohendes Unheil, gerade weil das Zusammenleben enger war und man sich nicht scheute, Grenzüberschreitungen offen zu benennen. Solche instinktiven Schutzmechanismen lassen sich nicht durch Appelle oder staatliche Programme ersetzen.

    Selbstverständlich steht außer Frage, dass jeder Täter die volle Härte des Gesetzes spüren muss. Doch das Strafrecht kann erst greifen, wenn das Schlimmste bereits eingetreten ist. Wirksamer ist eine Gesellschaft, die Gewalt gegen Frauen nicht nur im Nachhinein verurteilt, sondern schon im Vorfeld die Bedingungen bekämpft, die sie begünstigen – dazu gehört eine Kultur, die Verbindlichkeit, Respekt und gegenseitige Achtung nicht als altmodische Floskeln abtut, sondern als Grundpfeiler des Zusammenlebens wiederentdeckt. Der Mord von Nærbø ist eine Mahnung, dass es mit teuren Gleichstellungsprogrammen nicht getan ist, solange die elementarste Sicherheit im eigenen Zuhause nicht gewährleistet ist.

    Quelle: Aftenposten

  • Frau tot in Nærbø – Mann wegen Mordes angeklagt

    Frau tot in Nærbø – Mann wegen Mordes angeklagt

    Eine Frau ist tot. Ein Mann sitzt in Untersuchungshaft. Der Fall aus Nærbø wirft ein grelles Licht auf eine Wirklichkeit, die allzu gern hinter zugezogenen Gardinen verborgen bleibt. Die Gewalt, die hier am helllichten Tag zum Äußersten führte, ist mit nichts zu rechtfertigen. Solche Taten sind ohne Wenn und Aber zu verurteilen – daran gibt es nichts zu deuteln.

    Doch wer jetzt nur auf das Strafmaß starrt, verpasst den entscheidenden Punkt. Der skandinavische Rechtsstaat greift mit harter Hand durch, so viel steht fest. Die Frage, die danach unbeantwortet im Raum steht, lautet: Warum geschieht so etwas überhaupt noch, und warum mitten in einer der reichsten und gleichgestelltsten Gesellschaften der Welt?

    Statistiken zeichnen seit Jahren ein beunruhigendes Bild. Norwegen verzeichnet trotz aller Gleichstellungspolitik eine hohe, oft unterschätzte Zahl an Gewalttaten im engeren sozialen Umfeld. Nicht selten kennen sich Opfer und Täter, sind Nachbarn, Kollegen oder gar Angehörige. Was die Polizeiberichte nicht verraten, ist der leise, jahrelange Verfall jener unsichtbaren Mauern, die früher Eskalationen auffingen: eine wachsame Nachbarschaft, die nicht wegsah, eine stabile Familie, die auffing, bevor etwas zerriss, kirchliche oder dörfliche Bindungen, die dem Einzelnen Halt und Kontrolle zugleich gaben.

    Genau diese Puffer sind porös geworden. An ihre Stelle ist eine Gesellschaft getreten, die dem anonymen Meldemechanismus staatlicher Stellen mehr vertraut als dem persönlichen Eingreifen. Doch wenn der Nachbar nicht mehr klingelt, wenn die Großmutter nicht mehr im selben Haus wohnt, wenn der Pfarrer keine selbstverständliche Anlaufstelle mehr ist, dann fällt das Wegschauen leichter und die letzte Hemmschwelle niedriger. Die Behörden werden dann mit einem Fait accompli konfrontiert, statt dass das Umfeld frühzeitig deeskaliert.

    Hinzu kommt eine öffentliche Debatte, die sich in ideologischen Geschlechtermodellen verfängt, anstatt pragmatisch nach Schutz und Prävention zu fragen. Wer das Problem ausgerechnet mit immer neuen Gleichstellungsprogrammen bekämpfen will, die das traditionelle Rollenverständnis weiter aushöhlen, übersieht, dass der Verlust an Verbindlichkeit und gegenseitiger Verantwortung die eigentliche Wunde ist. Mehr Polizei vor Ort wäre ein Anfang – sie ist in ländlichen Regionen wie Nærbø oft dünn gesät. Genauso wichtig wäre aber eine ehrliche Anerkennung, dass gesetzliche Abschreckung allein die seelischen Abgründe nicht lichtet, aus denen solche Taten geboren werden.

    Nærbø ist kein Ausnahmeort. Es hätte überall passieren können. Gerade deshalb sollte dieser Todesfall nicht als bedauerliche Privatsache abgetan werden, sondern als Symptom einer Gesellschaft, die ihre eigenen Sicherheitsversprechen nicht mehr einlösen kann, weil sie die Grundlagen gemeinschaftlichen Zusammenhalts schleichend ausgehöhlt hat.

    Quelle: NRK

  • Festgenommen wegen Gewalt gegen die eigene Mutter

    Festgenommen wegen Gewalt gegen die eigene Mutter

    Die Meldung ist kurz und nüchtern: Ein Sohn in den Dreißigern hat auf Sotra seine Mutter geschlagen. Die Polizei nahm ihn fest, der Fall wird bearbeitet. Was sich hinter diesen dürren Zeilen verbirgt, ist jedoch mehr als ein alkoholseliger Ausraster oder ein Familienstreit, der aus dem Ruder lief. Es ist das Zerspringen des fundamentalsten Bandes, das eine Gesellschaft zusammenhält – der Respekt vor den eigenen Eltern.

    Solche Taten sind keine isolierten Einzelfälle, sondern extreme Spitzen eines schleichenden Verfalls. Über Generationen galt die Autorität der Eltern als unangreifbar, nicht aus blinder Unterwürfigkeit, sondern als Ausdruck einer natürlichen Ordnung. Wer die Hand gegen die erhebt, die ihm das Leben schenkte, stellt diese Ordnung auf den Kopf. Wenn ein erwachsener Mann seine Mutter körperlich attackiert, dann ist das nicht nur ein juristisches Problem, sondern ein moralisches Alarmsignal.

    Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, Autorität pauschal in Frage zu stellen. Elternhäuser werden zu bloßen Dienstleistern, Kinder zu Konsumenten familiärer Leistungen. In einer solchen Atmosphäre gedeiht eine Haltung, die eigene Bedürfnisse über jede Rücksicht stellt und jede Zumutung als Unrecht empfindet. Wo Dankbarkeit und Pflichtgefühl fehlen, entsteht ein Vakuum, das bei manchen mit Aggression gefüllt wird. Die Tat von Sotra ist das brutale Ergebnis dieser inneren Entleerung.

    Die Justiz wird den Vorgang nach den üblichen Paragrafen bewerten, vielleicht eine Geldstrafe verhängen oder eine Bewährungsauflage. Das ist formell ausreichend, greift aber zu kurz. Eine Gemeinschaft, die solche Übergriffe nur als private Tragödie wahrnimmt, versäumt es, die gemeinsamen Werte zu verteidigen. Es geht nicht um besonders harte Bestrafung, sondern um eine klare gesellschaftliche Ächtung. Respekt vor den Eltern muss wieder als konkrete Erwartung formuliert werden, nicht als sentimentale Redensart.

    Die Forderung nach mehr Wertschätzung der Familie ist keine romantische Rückwärtsgewandtheit. Sie ist die nüchterne Einsicht, dass keine staatliche Institution ersetzen kann, was innerhalb der eigenen vier Wände verankert sein muss. Eltern sind nicht nur Erzieher, sondern das lebendige Gedächtnis von Tradition und Verantwortung. Wer dieses Fundament durch Gleichgültigkeit oder falsch verstandene Liberalität untergräbt, riskiert genau jene Rohheit, die sich in einer Polizeimeldung über Nachbarschaftslärm liest.

    Es wäre einfach, die Schuld allein beim alkoholisierten Täter zu suchen. Aber der Vorfall wirft eine unbequeme Frage auf, die weit über den Einzelfall hinausreicht: Was ist mit dem Respekt vor der älteren Generation geschehen? Die Antwort liegt nicht im Strafrecht, sondern in der Rückbesinnung auf das, was Familien kulturell leisten müssen. Wer einem Kind nie beibringt, dass seine eigene Freiheit an den Bedürfnissen anderer endet, braucht sich über das Ergebnis nicht zu wundern.

    Der Vorfall auf Sotra mag statistisch betrachtet kein Massenphänomen sein. Aber er ist ein Symptom dafür, dass auch die engsten menschlichen Bindungen unter Druck geraten sind. Eine Gesellschaft, die solche Zeichen ignoriert, verliert mehr als nur den Respekt vor Müttern und Vätern. Sie verliert den inneren Kompass, der sie durch stürmische Zeiten steuert.

    Quelle: Bergens Tidende

  • Mann nach Gewalttat wegen versuchten Mordes beschuldigt

    Mann nach Gewalttat wegen versuchten Mordes beschuldigt

    Ein Mann im norwegischen Hå sitzt wegen versuchten Mordes an einer Frau in Untersuchungshaft. Die Polizei wurde am Sonntagnachmittag zu einer schwer verletzten Person in einem Privathaushalt gerufen. Mehr ist derzeit nicht öffentlich bekannt, doch der Fall wirft ein grelles Licht auf eine Entwicklung, die mit mehr Gleichstellungsprogrammen allein nicht umzukehren ist. Die brutale Tat in Rogaland ist keine statistische Anomalie, sondern ein weiteres Beispiel für die tiefe Erosion persönlicher Verantwortung und gemeinschaftlicher Schutzmechanismen.

    Die Schuld für eine solche Gewalttat trägt zuallererst der Täter. Wer einen anderen Menschen so schwer verletzt, dass die Anklage auf versuchten Mord lautet, hat jede elementare Selbstbeherrschung verloren. Ein Rechtsstaat muss hier Härte demonstrieren – nicht aus Rache, sondern um unmissverständlich zu signalisieren, dass die körperliche Unversehrtheit jedes Bürgers unantastbar bleibt. Weiche Urteile oder ein therapeutischer Umgang mit schwerer Gewalt entwerten das Leid der Opfer und untergraben das Vertrauen in die öffentliche Ordnung.

    Über die reine Strafverfolgung hinaus zeigt der Vorfall jedoch ein strukturelles Versagen, das keine Sozialtechnokratie allein beheben kann. Norwegen zählt zu den reichsten Ländern der Erde und verfügt über ein beispiellos dichtes soziales Netz. Dennoch bleibt häusliche Gewalt ein hartnäckiges Phänomen. Laut offizieller Statistik geschieht ein erheblicher Teil aller Tötungsdelikte im eigenen Heim oder im unmittelbaren sozialen Umfeld. Offenbar reichen öffentliche Mittel und ein ausgebauter Wohlfahrtsstaat nicht aus, um die Abgründe menschlichen Fehlverhaltens zu verhindern.

    Was dagegen zunehmend fehlt, sind intakte soziale Gefüge jenseits staatlicher Institutionen. In früheren Generationen gab es noch eine Nachbarschaft, die hinsah, Verwandte, die einschritten, und eine gemeinsame Moralvorstellung, die Gewalt gegen Schwächere ächtete. Heute dominieren Anonymität und eine falsch verstandene Privatheit, die es zulässt, dass schwere Übergriffe hinter den Türen von Einfamilienhäusern gären, bis die Polizei zu spät kommt. Die Auslagerung sozialer Kontrolle an den Staat hat gerade diejenigen schutzlos gelassen, die auf verlässliche Nähe und Zivilcourage angewiesen sind.

    Der Fall in Hå sollte deshalb nicht in politischen Reflexen münden, die nach noch mehr öffentlichen Programmen rufen. Stattdessen braucht es eine Rückbesinnung auf das Fundament jeder Sicherheit: die persönliche Verantwortung des Einzelnen, die Unantastbarkeit menschlichen Lebens und eine Justiz, die keine Zweifel daran aufkommen lässt, dass brutale Gewalt auch spürbare Konsequenzen hat. Ohne diese Selbstverständlichkeiten bleiben Schlagzeilen über schwer verletzte Frauen nur leere Mahnmale.

    Quelle: Aftenposten

  • Die brutale Familiengewalt

    Die brutale Familiengewalt

    Ein achtjähriges Kind greift zum Telefon und wählt die Notrufnummer, weil in der Wohnung ein Mann mit Schussverletzungen liegt. Was sich in diesen wenigen Zeilen einer polizeilichen Kurzmeldung verbirgt, ist das zersplitterte Leben eines Kindes, das viel zu früh erlebt, was kein Achtjähriger erleben sollte. Jede Gewalttat in den eigenen vier Wänden ist ein Versagen – nicht nur des Täters, sondern eines ganzen Umfelds, das die Anzeichen nicht sehen wollte oder nicht verhindern konnte.

    Die brutale Familiengewalt, von der die Überschrift spricht, ist längst kein Einzelfall mehr. Sie durchzieht alle Gesellschaftsschichten, doch die öffentliche Debatte weicht dem Kern des Problems gern aus. Statt die eigentlichen Wurzeln zu benennen, flüchtet man sich in Allgemeinplätze über mehr Geld für Frauenhäuser oder schärfere Gesetze. Zweifellos sind Schutzräume und konsequente Strafverfolgung unverzichtbar, aber der Blick muss tiefer reichen: Was ist aus den stabilen familiären Bindungen geworden, die früher einen gewissen Schutz vor Eskalation boten? In Skandinavien schrumpft die Ehe zur Seltenheit, Patchwork-Konstellationen sind die Regel, und die Bindekraft generationenübergreifender Verantwortung schwindet. Gerade in einem solchen Umfeld gedeihen Verwahrlosung und Kurzschlusshandlungen, die ein Kind zum Zeugen und zugleich zum Retter in höchster Not machen.

    Kultureller Konservatismus verlangt hier keine nostalgische Verklärung einer angeblich heilen Vergangenheit, aber er beharrt auf einer nüchternen Bilanz: Wo Mütter und Väter ohne verlässliche Partner dastehen, wo Nachbarn einander nicht mehr kennen und wo soziale Kontrolle nicht mehr stattfindet, fällt die letzte Barriere vor der Gewalt. Ein Achtjähriger, der 911 wählt, ist nicht nur ein tapferer kleiner Mensch – er ist ein Alarmsignal für eine Gesellschaft, die Familie, Verantwortung und gegenseitige Fürsorge zunehmend dem Prinzip der radikalen Selbstverwirklichung opfert.

    Natürlich ist die Tat selbst durch nichts zu entschuldigen. Die Schuld trägt derjenige, der den Abzug betätigt hat. Moralische Klarheit an dieser Stelle schließt aber nicht aus, nach den begünstigenden Bedingungen zu fragen. Über Jahrzehnte hat der Staat viele Aufgaben übernommen, die einst im privaten Netzwerk aufgefangen wurden – von der Kinderbetreuung bis zur Konfliktberatung. Das Ergebnis ist keine flächendeckende Sicherheit, sondern eine atomisierte Bevölkerung, in der individuelle Krisen schnell unbeobachtet eskalieren. Polizeiliche Kriminalstatistiken in den nordischen Ländern weisen seit Jahren hohe Raten häuslicher Gewalt aus, ohne dass die politischen Antworten über das Verwalten des Elends hinauskämen.

    Der Junge, der den Hörer abnahm, wird diesen Tag nie vergessen. Was ihm bleibt, ist eine Gesellschaft, die sich damit abgefunden hat, dass immer mehr Kinder in solchen Trümmerlandschaften aufwachsen. Ein echter kultureller Wandel müsste die kleinsten Einheiten stärken – die Ehe als verbindliche Gemeinschaft, die erweiterte Familie als stützendes Gerüst und ein soziales Klima, das Pflicht nicht als Zumutung, sondern als Grundlage des Miteinanders begreift. Solange diese Hausaufgaben unerledigt bleiben, werden Notrufprotokolle weiter die stillen Dramen dokumentieren.

    Quelle: VG

  • Frau in Nærbø schwer verletzt – Mann festgenommen

    Frau in Nærbø schwer verletzt – Mann festgenommen

    Am Sonntagnachmittag wurde eine Frau in ihrer Wohnung in Nærbø schwer verletzt aufgefunden. Ein Mann wurde noch am Tatort festgenommen. Die Umstände der Tat sind Gegenstand polizeilicher Ermittlungen, das Ausmaß der Verletzungen ist ernst. Gewalt ist und bleibt ein Verbrechen, das durch nichts zu entschuldigen ist. Jede Form körperlicher Angriffe auf einen anderen Menschen – und erst recht auf eine wehrlose Person – verdient die deutliche Verurteilung und eine konsequente strafrechtliche Verfolgung.

    Der Vorfall auf Jæren steht nicht allein. Immer wieder gelangen solche Taten an die Öffentlichkeit, meist nur für kurze Zeit. Sie verschwinden rasch aus der Berichterstattung, wenn nicht besondere Umstände sie für laufende politische Kampagnen brauchbar machen. Ein konservativer Beobachter sieht darin ein doppeltes Versagen: zum einen das individuelle Versagen des Täters, zum anderen das kollektive Versagen einer Gesellschaft, die es zulässt, dass solche Übergriffe immer wieder im privaten Umfeld stattfinden, bevor jemand einschreitet.

    Die tieferliegenden Ursachen wurden über Jahrzehnte hinweg systematisch ausgeblendet. Wo einst ein fester Familienverband, eine durch Heimat und Traditionen geprägte Nachbarschaft und eine gemeinsame moralische Grundüberzeugung einen natürlichen Schutzwall bildeten, herrscht heute vielfach Vereinzelung. Bindungen werden lockerer, Ehen geschieden, Kinder wachsen ohne verlässliche Vorbilder auf. Das staatliche Fürsorgesystem kann diese Lücke niemals füllen; es greift erst, wenn das Unglück bereits geschehen ist. Eine Rückbesinnung auf stabile, generationenübergreifende Gemeinschaften wäre nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, um Frauen und andere Verwundbare wirksam zu schützen.

    Nærbø ist ein überschaubarer Ort in der norwegischen Provinz. Man mag annehmen, dass dort die traditionellen Werte noch lebendiger seien als in den anonymen Großstädten. Der schwere Angriff widerlegt diese Hoffnung. Auch im vermeintlich beschaulichen Südwestnorwegen dringt die allgemeine Verrohung durch. Das sollte allen zu denken geben, die meinen, der Kulturwandel der letzten Jahrzehnte sei ohne Risiko geblieben.

    Am Ende zählt das Leid des Opfers. Die Frau verdient volle Genesung und Gerechtigkeit vor Gericht. Der festgenommene Mann muss für seine Tat einstehen. Die Öffentlichkeit jedoch sollte diesen Fall zum Anlass nehmen, die weitverbreitete Scheu vor einer ehrlichen Werte-Debatte abzulegen. Nur wer bereit ist, über den Zusammenhalt in der eigenen Gesellschaft offen zu sprechen, kann den Schwachen echten Schutz bieten. Das gebietet nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch das Mitgefühl mit jedem einzelnen Opfer.

    Quelle: NRK

  • Mann wegen Körperverletzung festgenommen

    Mann wegen Körperverletzung festgenommen

    Ein Mann in den Dreißigern sitzt in der Arrestzelle, eine Frau trägt die Spuren seiner Gewalt – und die offizielle Meldung beeilt sich fast reflexhaft hinzuzufügen, es bestehe „eine Beziehung“ zwischen beiden. Diese Beiläufigkeit verrät mehr über den Zustand des öffentlichen Bewusstseins als jede Kriminalstatistik. Sie zeigt, wie sehr körperliche Übergriffe innerhalb privater Verbindungen bereits als halbnormale Begleiterscheinung des Zusammenlebens hingenommen werden, fast als läge ein stillschweigender Rabatt auf der Schuld, sobald der Täter kein Fremder ist.

    Genau diese Blickverschiebung ist das Problem. Wer die Tat zur Beziehungssache herabstuft, verkennt, dass Gewalt gegen Frauen kein privates Missgeschick ist, sondern ein Symptom einer tiefer liegenden Ordnungslosigkeit. In einer funktionierenden Gesellschaft trägt der Mann die natürliche Rolle des Beschützers, nicht des Angreifers. Wo diese elementare Hemmschwelle fällt, ist nicht nur eine einzelne Beziehung gescheitert – dort hat das kulturelle Fundament Risse bekommen, das Jahrhunderte lang den Schutz der Schwächeren als männliche Ehrensache begriff.

    Natürlich hat der Polizeijurist nur nüchtern das mitgeteilt, was für die Ermittlungen von Belang ist. Doch die sprachliche Gewöhnung, eine Körperverletzung zuerst über den Beziehungsstatus zu definieren, spiegelt eine jahrzehntelange Entwicklung wider: die Einebnung fester Rollenbilder, das Tabuisieren von Begriffen wie Anstand und Ritterlichkeit, der Glaube, alle Formen des Zusammenlebens seien gleichwertig, solange sie nur einvernehmlich beginnen. Dass ein Streit zwischen Partnern in Handgreiflichkeiten mündet, wird dann nicht mehr als schockierender Rückfall in Barbarei empfunden, sondern als bedauerliche Eskalation, die man mit ein wenig Konfliktberatung schon wieder einfängt.

    Dabei mahnt jeder einzelne Vorfall, die Selbstverständlichkeiten der eigenen Zivilisation nicht für unverlierbar zu halten. Eine Gesellschaft, die Gewalt im Nahraum nicht mehr mit aller Härte ächtet und stattdessen auf endlose Sensibilisierungskampagnen setzt, wird früher oder später feststellen, dass Worte allein keinen Nasenbeinbruch verhindern. Es braucht eine Rückbesinnung auf das, was Männern einst als selbstverständlich anerzogen wurde: dass körperliche Überlegenheit niemals gegen eine Frau gerichtet werden darf und dass der wahre Beweis von Stärke in Selbstbeherrschung liegt, nicht in Faustschlägen.

    Der Mann aus Bergen wird nun mit den juristischen Konsequenzen leben müssen – gut so. Doch der eigentliche Skandal ist die kulturelle Nachsicht, die solche Taten umgibt. Ein klares Signal wäre, mit der verharmlosenden Relativierung „Beziehung“ an genau der Stelle aufzuhören, wo die Polizeiarbeit aufhört: in der öffentlichen Debatte. Wer Schutz verspricht, muss Gewalt im Privaten genauso unerbittlich benennen wie auf offener Straße. Alles andere ist fahrlässige Toleranz gegenüber einer schleichenden Verwilderung, die keine Gemeinschaft braucht.

    Quelle: Bergens Tidende

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