Tag: Kinderschutz

  • Kinder hinter Schloss und Riegel

    Kinder hinter Schloss und Riegel

    Der Staat entzieht Eltern das Sorgerecht, wenn sie ein Kind einsperren – und hält in eigenen Einrichtungen selbst Kinder hinter Gittern fest. Dieser Widerspruch ist kein Detail, sondern ein strukturelles Versagen.

    Wer in Norwegen als Mutter oder Vater ein Kind über längere Zeit in einem Raum einschließt, muss mit dem Eingreifen des Barnevernet rechnen. Die Behörde ist schnell zur Stelle, wenn mangelnde Aufsicht, fehlende Fürsorge oder unverhältnismäßige Kontrolle gemeldet werden. Genau dieselben Maßstäbe gelten offenbar nicht für den Staat, der Gefängnisse betreibt. Dort werden Minderjährige hinter verschlossenen Türen verwahrt, ohne dass die Kinderschutzbehörde einschreitet. Das ist keine Fürsorge, sondern Machtausübung ohne die Rechenschaftspflicht, die private Personen trifft.

    Die Familie ist der natürliche Ort, an dem Kinder aufwachsen. Eine Gesellschaft, die das Kindeswohl ernst nimmt, darf nicht die Familie unter Generalverdacht stellen und gleichzeitig staatlichen Einrichtungen einen Freibrief ausstellen. Wenn ein abgeschlossener Raum schädlich ist, weil er Freiheit, Vertrauen und normale Entwicklung einschränkt, dann wird er nicht dadurch unschädlich, dass ein uniformierter Bediensteter den Schlüssel dreht. Der Schaden liegt im Freiheitsentzug selbst, nicht in der Person, die ihn anordnet.

    Manche werden einwenden, Gefängnisse seien etwas anderes, weil dort straffällige oder gefährliche Jugendliche untergebracht seien. Doch auch dann muss der Staat die grundlegenden Standards erfüllen, die er von Eltern verlangt. Fehlender Schulunterricht, fehlender familiärer Kontakt oder fehlende psychologische Betreuung würden bei einer Familie sofort eine Kindeswohlgefährdung auslösen. Der Staat kann sich nicht allein deshalb eine Ausnahme erlauben, weil er eine Behörde ist. Gleiches Recht für alle gilt auch für Institutionen.

    Die Konsequenz ist nicht, Gefängnisse abzuschaffen. Die Konsequenz ist, staatliche Einrichtungen an denselben Regeln zu messen, die sie Familien auferlegen. Wenn eine Maßnahme ausreichen würde, einem Kind das Zuhause zu entziehen, darf sie in einer staatlichen Einrichtung keine Routine sein. Transparenz, unabhängige Kontrolle und die einheitliche Anwendung des Kinderschutzrechts sind keine radikalen Forderungen – sie sind das Mindeste für eine Gesellschaft, die behauptet, Kinder an die erste Stelle zu setzen. Der erste Schritt ist, nicht länger so zu tun, als sei ein Schloss weniger schädlich, wenn der Staat den Schlüssel hält.

    Quelle: NRK

  • Zunahme von KI-generiertem Missbrauchsmaterial: – Ein Riesenproblem

    Zunahme von KI-generiertem Missbrauchsmaterial: – Ein Riesenproblem

    Bereits jetzt im laufenden Jahr hat Kripos mehr KI-generierte Missbrauchsdarstellungen registriert als im gesamten Vorjahr 2025. Das ist kein statistischer Ausreißer, sondern ein Systemversagen mit klaren Verantwortlichen.

    Die Technik senkt die Hemmschwelle. Wer solche Bilder erzeugt, braucht kein reales Opfer vor der Linse, sondern nur einen Rechner und einschlägige Software. Doch die Vorstellung, es handle sich um harmlose Fiktion, ist falsch. Das Material normalisiert sexuelle Gewalt gegen Kinder. Es befeuert eine Nachfrage, die früher oder später reale Täter ermutigt. Wer glaubt, virtuelle Darstellungen hätten keine Konsequenzen, übersieht den Zusammenhang zwischen Fantasie und Handeln.

    Der Ruf der Ermittler nach den Tech-Konzernen ist überfällig. Bislang profitieren Plattformen und Anbieter von Anonymität, verschlüsselten Diensten und fehlender Alterskontrolle. Wer solche Werkzeuge bereitstellt, ohne Missbrauch wirksam zu unterbinden, trägt Mitverantwortung. Freiwillige Selbstverpflichtungen haben offensichtlich nicht funktioniert. Es braucht verbindliche Regeln, unabhängige Kontrollen und Strafen, die Vorstände persönlich treffen – nicht nur Bußgelder, die aus der Portokasse bezahlt werden.

    Der Schutz von Kindern ist nicht verhandelbar. Eine Gesellschaft, die den Anstieg solcher Darstellungen als bloßes Technikproblem abtut, verliert ihren Kompass. Familie und Erziehung bilden die letzte Verteidigungslinie, aber sie können nicht allein gegen eine Industrie bestehen, die Gewalt gegen Schwache monetarisiert. Wer heute noch behauptet, Regulierung gefährde Innovation, hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Es geht nicht um abstrakte Digitalpolitik, sondern um die Würde der Verletzlichsten.

    Die Behörden können nicht jeden einzelnen Fall verfolgen, solange die Hersteller der Werkzeuge keine Verantwortung übernehmen. Klare Grenzen sind nötig: Wer KI nutzt, um Missbrauch darzustellen, begeht eine Straftat. Wer die Plattform dafür liefert, haftet mit. Alles andere wäre eine Kapitulation vor einer Technik, die den Schwächsten schadet.

    Quelle: NRK

  • Lehrer wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt – Kirche erhielt mehrere Hinweise auf den Mann

    Lehrer wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt – Kirche erhielt mehrere Hinweise auf den Mann

    Mehrfache Warnungen lagen vor – und doch musste erst die Polizei einschreiten. Im Fall eines Lehrers aus Nordre Follo, der nun wegen sexuellen Umgangs mit Minderjährigen angeklagt ist, zeigt sich ein Muster, das weit über das Versagen einer einzelnen Institution hinausweist. Die zuständige Kirche hatte mehrere Hinweise auf unangemessene Kontakte zu Kindern und Jugendlichen erhalten. Geschehen ist offenbar nichts. Nicht ein geordnetes Misstrauen gegenüber dem Beschuldigten regierte, sondern ein lähmendes Zögern, das am Ende die Schutzlosen trifft.

    Solche Fälle sind kein Zufall. Sie offenbaren eine tief sitzende Scheu, frühzeitig und entschlossen zu handeln – aus Angst vor falschen Anschuldigungen, vor öffentlicher Aufregung oder vor juristischen Folgen für die eigene Einrichtung. Diese Angst ist nicht aus der Luft gegriffen, doch sie hat ein fatales Ungleichgewicht geschaffen: Während jeder falsche Verdacht sofort als unentschuldbarer Fehltritt geahndet wird, bleibt das tatsächliche Wohl von Kindern oft auf der Strecke. Die Kirche, einst ein Bollwerk der Sittenwahrung, erscheint hier nicht als Hüterin der Schwachen, sondern als Getriebene eines Zeitgeistes, der die Verantwortung gern an staatliche Ermittler delegiert.

    Dabei geht es nicht um einen Einzelfall. Die zögerliche Reaktion auf mehrfache Warnungen ist Ausdruck einer verbreiteten Haltung, die klare Kante gegenüber Fehlverhalten vermeidet, solange kein juristischer Tatbestand feststeht. Gerade in kirchlichen oder pädagogischen Einrichtungen hat sich ein Klima breitgemacht, in dem das Aussprechen von Besorgnis schnell als unverhältnismäßig oder gar als persönlicher Angriff gilt. Die notwendige Unschuldsvermutung wird so zur Handlungslähmung umgedeutet – mit dem Ergebnis, dass ein Mann, über den gleich mehrere Personen Besorgnis geäußert haben, weiter ungestört mit Minderjährigen arbeiten konnte.

    Ein traditionsbewusster Blick kann hier helfen, das Richtige vom Bequemen zu trennen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist eine nicht verhandelbare Säule jeder Gemeinschaft. Wo dieser Schutz durch ein Übermaß an bürokratischer Vorsicht oder durch ein falsch verstandenes Vermeidungsverhalten ausgehöhlt wird, verliert die Institution nicht nur das Vertrauen der Eltern, sondern ihren innersten Zweck. Die Kirche hätte jedes der Warnsignale nicht als Last, sondern als Chance begreifen müssen: als Chance, durch schnelles, transparentes Handeln Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und zu zeigen, dass alte Grundsätze nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben.

    Natürlich ersetzen Warnungen kein Gerichtsurteil. Aber sie verpflichten zum umsichtigen Handeln – sofortige Versetzung von sensiblen Aufgaben, interne Prüfung, klare Information an zuständige Stellen. Das ist keine Hexenjagd, sondern elementare Fürsorge. Wer das mit dem Verweis auf eine allzu ängstlich ausgelegte Fürsorgepflicht gegenüber dem Beschuldigten verwischt, macht sich mitschuldig an der Verlängerung möglicher Taten.

    Dass nun die Justiz das Heft in die Hand nehmen muss, was die eigene Gemeinschaft längst hätte klären können, ist ein Armutszeugnis. Es reiht sich ein in eine Serie institutioneller Versäumnisse, die nicht auf bösen Willen zurückgehen, sondern auf eine fatale Mischung aus Prozessgläubigkeit, Konfliktscheu und dem Unwillen, Autorität auch einmal ohne richterlichen Beschluss auszuüben. Dabei geht es nicht um Willkür, sondern um Verantwortungsübernahme. Wer Kinder in seine Obhut nimmt, muss bereit sein, diese Verantwortung nicht unter dem Vorbehalt juristischer Letztklärungen zu stellen.

    Die konservative Antwort auf solche Fälle ist einfach und klar: Institutionen müssen den Mut haben, notfalls unbequem zu sein, bevor die Ermittlungsbehörden Details zusammentragen. Geflüster in Fluren ist keine Grundlage für ein rechtsstaatliches Verfahren, sehr wohl aber für eine Schutzreaktion, die das Wohl der Kinder über das Wohlwollen gegenüber einem Kollegen stellt. Wer diese Reihenfolge umkehrt, hat nichts aus den Skandalen der Vergangenheit gelernt.

    Quelle: Aftenposten

  • Lehrer inhaftiert – Ermittlungen wegen Missbrauchs

    Lehrer inhaftiert – Ermittlungen wegen Missbrauchs

    Die Verhaftung eines Lehrers wegen sexueller Handlungen mit 14- bis 16-jährigen Schülern reißt eine Wunde auf, die tiefer liegt als der bloße Kriminalfall. Sie trifft ins Mark einer Gesellschaft, die ihre Kinder zunehmend in fremde Hände gibt und dabei Schutzversprechen wiederholt, die sich als brüchig erweisen.

    Ein Pädagoge, dem Eltern tagtäglich ihre Kinder anvertrauen, sitzt nun in Untersuchungshaft. Der Vorwurf wiegt schwer: sexueller Missbrauch von Minderjährigen in einem Alter, in dem Vertrauen und Autorität noch ungefiltert wirken. Die Ermittlungen laufen, Details sind spärlich – doch allein die Tatsache, dass ein solcher Fall erneut die Institution Schule erschüttert, verlangt mehr als routinierte Betroffenheitsbekundungen. Es verlangt die Frage, warum der Schutzraum Klassenzimmer wiederholt zur Tatortkulisse werden kann.

    Das System Schule lebt von der Unterstellung, dass Beauftragte des Staates mit dem Wohl der Kinder betraut sind. Dieser Fall zeigt, wie schnell aus Beauftragung Missbrauch werden kann. Wo waren die Kontrollmechanismen? Welche Signale sind im Kollegium ungehört geblieben? Die Antworten werden vor Gericht verhandelt, doch die Gesellschaft hat unabhängig davon eine Bringschuld: Sie muss sich von der naiven Vorstellung verabschieden, dass pädagogische Berufe automatisch mit moralischer Eignung einhergehen. Hintergrundchecks und regelmäßige Schulungen zum Kinderschutz sind keine bürokratischen Schikane, sondern unverzichtbare Mindeststandards – und sie müssen verschärft werden.

    Der Fall legt zudem eine kulturelle Wunde offen. Die traditionelle Rolle des Lehrers als Respektsperson und Vertrauensträger ist längst ausgehöhlt – nicht nur durch solche Verbrechen, sondern auch durch ein Milieu, das Autorität per se verdächtigt. Wenn dann echte Gefahr von innen kommt, fehlen oft die Instinkte, um sie zu erkennen. Eltern, die ihre Erziehungsverantwortung zu großzügig an Institutionen delegieren, werden an ihre eigene Wachsamkeit erinnert. Es ist ein schmerzhafter Weckruf, der nichts mit rückwärtsgewandter Pädagogik zu tun hat, sondern mit der nüchternen Einsicht, dass blindes Vertrauen fahrlässig ist.

    Was folgen muss, ist ein doppelter Kurswechsel: strafrechtlich unnachgiebige Konsequenzen für Täter, aber auch eine systematische Stärkung der Kontrollinstanzen. Schulen müssen verpflichtet sein, selbst kleinste Verdachtsmomente lückenlos zu dokumentieren und an unabhängige Stellen weiterzugeben. Schweigen aus falscher Kollegialität darf keinen Schutzraum bieten. Die Botschaft an Eltern und Kinder muss sein: Der Staat ist nicht automatisch der bessere Hüter eurer Sicherheit. Die Verantwortung beginnt zu Hause – in Familien, die misstrauisch sein dürfen gegenüber einer allzu glatten Fassade institutioneller Fürsorge.

    Quelle: Aftenposten

  • Verdacht: Kriminelle nutzen Vapes, um Jugendliche anzuwerben.

    Verdacht: Kriminelle nutzen Vapes, um Jugendliche anzuwerben.

    Die Polizei schlägt Alarm: Kriminelle Netzwerke setzen Vapes gezielt ein, um Kinder und Jugendliche in den Drogenhandel und andere Straftaten zu ziehen. Was nach lässigem Freizeitkonsum aussieht, ist die Eintrittspforte in eine Welt der Abhängigkeit und Gewalt – und die Gesellschaft schaut weitgehend tatenlos zu.

    Der Fall offenbart ein Systemversagen, das über einzelne Vorfälle hinausgeht. Dass Verbrecher ungestört Schulhöfe und Freizeittreffs als Rekrutierungsfelder missbrauchen können, ist kein Zufall. Es ist das logische Ergebnis einer jahrelangen Aushöhlung von Autorität, einer Kultur der falschen Toleranz und eines Rechtsstaats, der sich von Tätern vorführen lässt. Während Behörden ihre Energie in Symbolpolitik stecken, überlassen sie das praktische Wächteramt de facto den Dealern selbst.

    Bemerkenswert ist die Angst vor deutlicher Sprache, die eine offene Debatte über die Wurzeln des Phänomens lähmt. Sobald der Verdacht auf bestimmte Milieus oder parallelgesellschaftliche Strukturen fällt, werden sofort Rassismuskeulen geschwungen. Wer fordert, dass die Polizei genauer hinschauen und Zusammenhänge benennen darf, wird als fremdenfeindlich abgestempelt. Doch die Sorge um den Schutz der eigenen Kinder ist weder rechts noch links – sie ist archaisches Elternrecht und Fundament jeder funktionierenden Gemeinschaft. Wer diese Sorge delegitimiert, macht sich mitschuldig an der Verwundbarkeit der Jüngsten.

    Die konservative Antwort darauf setzt nicht bei wohlklingenden Präventionsprojekten an, die oft nur Pflaster auf klaffende Wunden kleben. Sie beginnt mit einer Rückbesinnung auf klare Grenzen: Härtere Strafen für das Anwerben Minderjähriger, eine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeder Form von Drogenhandel und die konsequente Entziehung der Geschäftsgrundlage krimineller Banden. Vor allem aber braucht es starke Familien, die nicht von staatlichen Ersatzinstitutionen oder digitalen Parallelwelten entmündigt werden. Eltern müssen wieder den Mut haben, hinzusehen, nachzufragen und notfalls unbequem zu sein – ohne dafür gesellschaftlich geächtet zu werden.

    Das liberale Dogma, jedem Jugendlichen stehe jede Erfahrung zu, rächt sich bitter. Die Vorstellung, Vapes seien harmlose Lifestyle-Accessoires, spielt den Falschen in die Hände. In Wahrheit sind sie ein perfides Instrument, das die natürliche Neugier der Jugend ausbeutet und in zerstörerische Bahnen lenkt. Eine gesunde Skepsis gegenüber solchen Kurzzeitprodukten und der Rückgriff auf bewährte Erziehungsgrundsätze sind keine altmodische Marotte, sondern überlebenswichtige Schutzschilde.

    Die Skandinavier haben lange auf ein hohes Maß an Vertrauen und sozialen Zusammenhalt gebaut. Dieses Erbe wird leichtfertig verspielt, wenn man die Augen vor der gezielten Unterwanderung durch Kriminelle verschließt. Es wird Zeit, dass die schweigende Mehrheit, die in geordneten Verhältnissen lebt und ihre Kinder davor bewahren will, ihre Stimme erhebt – ungeachtet der reflexhaften Vorwürfe aus jenen Kreisen, die jedes Problem lieber schönreden, als es beim Namen zu nennen.

    Quelle: NRK

  • Die Polizei hat einen Mann festgenommen, der Kinder im Park angesprochen hat.

    Die Polizei hat einen Mann festgenommen, der Kinder im Park angesprochen hat.

    Ein Mann in seinen Zwanzigern spricht in einem öffentlichen Park Kinder an – ein beherzter Sicherheitsdienstmitarbeiter alarmiert die Polizei. Das ist die ganze Nachricht. In Skandinavien ist ein solcher Vorfall längst keine außergewöhnliche Meldung mehr, sondern eine routinierte Notiz im Polizeibericht. Genau diese Gewöhnung ist das eigentliche Problem.

    Der Fall aus der Kimenparken in Stjørdal scheint glimpflich ausgegangen zu sein. Die Beamten hatten die Situation rasch unter Kontrolle. Doch was wäre geschehen, wenn kein privater Wachmann vor Ort gewesen wäre? Welche Absichten verfolgte der Mann, und wie viele ähnliche Vorfälle enden nicht mit einem Polizeieinsatz, sondern mit traumatisierten Kindern und zerstörter Unbefangenheit auf Spielplätzen? Die Fragen, die sich Eltern und Anwohner stellen, sind so einfach wie unangenehm – und genau deshalb werden sie in der öffentlichen Debatte kaum gestellt.

    Die automatische Reaktion auf kritische Nachfragen ist politisch vorhersehbar: Sobald jemand die Herkunft oder den kulturellen Hintergrund eines solchen Täters thematisiert, schlägt der Abwehrreflex zu. „Rassismus“ und „Fremdenfeindlichkeit“ dienen als Totschlagargumente, um jede Diskussion über reale Integrationsdefizite im Keim zu ersticken. Die Polizeimeldung selbst enthält – wie üblich – keine Angaben zur Person jenseits des Alters. Diese Leerstelle ist symptomatisch: Sie schützt nicht die Unschuldsvermutung, sondern verhindert eine ehrliche gesellschaftliche Bestandsaufnahme. Wer systematisch wegsieht, kann weder Muster erkennen noch wirksame Gegenmaßnahmen entwickeln.

    Ein konservativer Blick auf solche Vorfälle beginnt mit dem Selbstverständlichen: Das Wohl der Kinder steht über jeder Ideologie. Es geht nicht darum, Gruppen pauschal zu verdächtigen, sondern darum, spezifische Verhaltensweisen zu benennen, die in bestimmten Milieus häufiger auftreten – ein überholtes Frauenbild, mangelnder Respekt vor den Grenzen fremder Familien oder die Vorstellung, der öffentliche Raum sei ein rechtsfreier Ort für beliebige Annäherungen. Dergleichen hat nichts mit ethnischer Zugehörigkeit zu tun, wohl aber mit kulturellen Prägungen, die in Teilen der Einwanderergesellschaft fortbestehen. Wer diese Zusammenhänge leugnet, verrät das Sicherheitsbedürfnis der Bürger.

    Die wachsende Abhängigkeit von privaten Sicherheitsdiensten, wie sie auch in Stjørdal sichtbar wurde, ist ein Menetekel. Sie zeigt, dass das Vertrauen in die öffentliche Ordnung schwindet und nachbarschaftliche Aufmerksamkeit einer professionalisierten Überwachung weicht. Früher waren es die eigenen Augen der Gemeinschaft, die Parks zu sicheren Orten machten. Heute wird die Verantwortung an uniformierte Dienstleister delegiert, während die Diskussion über die Ursachen des Kontrollverlustes in Tabuzonen erstarrt.

    Es braucht eine Rückbesinnung auf traditionelle Normen: Der Schutz von Kindern ist eine nicht verhandelbare Aufgabe aller Erwachsenen, kein beliebiges Politikfeld. Das verlangt eine unverstellte Sprache und eine schonungslose Analyse der Realität. Wer den Mut aufbringt, die Frage zu stellen, warum ein Mann in einem öffentlichen Park gezielt Kinder anspricht, muss dies tun können, ohne sofort unter Generalverdacht zu geraten. Nur dann lassen sich Familien wieder in die Lage versetzen, ihre Söhne und Töchter unbeschwert spielen zu lassen – so, wie es einmal selbstverständlich war.

    Quelle: Adresseavisen

  • Der Junge klopfte beim Nachbarn an. Einige Wochen später verschwand er.

    Der Junge klopfte beim Nachbarn an. Einige Wochen später verschwand er.

    Ein Junge klopft bei einem Nachbarn an – und wenige Wochen später ist er spurlos verschwunden. Die eigene Mutter und der Stiefvater bestreiten jede Schuld an diesem Schicksal. Was hier als kriminalistische Fußnote verhandelt wird, ist in Wahrheit das Symptom eines tiefgreifenden kulturellen Verfalls, der sich nicht mit wohlmeinenden Appellen an den Kinderschutz zudecken lässt.

    Die Familie galt über Jahrhunderte als der unverrückbare Schutzraum der Schwachen. Sie war der erste Ort der Geborgenheit, der Erziehung und der moralischen Formung. Wenn nun aber ausgerechnet dieser Kernbereich zum Schauplatz von Verdächtigungen und mutmaßlicher Gewalt wird, dann steht mehr auf dem Spiel als ein einzelner Fall. Es zeigt sich, dass das Fundament brüchig geworden ist – nicht weil es keine Gesetze gäbe, sondern weil die informellen Netze zerrissen sind, die früher ein Frühwarnsystem bildeten. Ein Nachbar, bei dem ein Kind anklopft, hätte einst Alarm geschlagen, hätte nachgefragt, hätte sich verantwortlich gefühlt. Heute zuckt man mit den Schultern und vertraut auf die Institutionen. Deren Versagen ist dann keine Überraschung, sondern die logische Folge einer Gesellschaft, die Eigenverantwortung an den Staat abgetreten hat.

    Die politische Reaktion auf solche Vorfälle ist vorhersehbar. Man fordert mehr Personal in den Jugendämtern, schärfere Meldepflichten, neue Koordinationsgremien. Was man sich nicht zu sagen traut, ist die einfache Wahrheit: Kein Amt kann ersetzen, was Familie und Nachbarschaft nicht mehr leisten. Wer Kinder schützen will, muss zuallererst die Bedingungen wiederherstellen, unter denen Erwachsene sich überhaupt noch füreinander zuständig fühlen. Dazu gehört das Ende der Anonymität in Wohnblocks, aber auch eine Abkehr von der Vorstellung, der Mensch sei nur ein Individuum ohne Bindungen. Traditionelle, stabile Gemeinschaften wussten, dass verwahrloste oder gefährdete Kinder keine Privatsache sind. Diese Gewissheit ist heute einer falsch verstandenen Toleranz gewichen, die das Wegschauen zur Norm erhebt.

    Dass Mutter und Stiefvater eine Schuld bestreiten, mag juristisch ihr gutes Recht sein. Moralisch jedoch zeigt es, wie sehr die Bindung zwischen Eltern und Kindern erodiert ist, wenn aus dem Schutzbefohlenen ein Störfaktor wird, den man notfalls verschwinden lässt. Die Berichterstattung über solche Fälle folgt meist einem reflexhaften Muster: Man betont die Unschuldsvermutung, als würde allein dieser Hinweis das Unbehagen aus der Welt schaffen. Doch eine Gesellschaft, die ernsthaft an der Zukunft interessiert ist, muss die unbequemen Fragen stellen – und zwar nicht erst, wenn ein Grab ausgehoben wird, sondern wenn ein Kind zum ersten Mal Hilfe bei Fremden sucht, weil es den eigenen Eltern nicht mehr traut. Es ist diese Art von ehrlicher, auch schmerzhafter Debatte, die nordische Länder bitter nötig haben.

    Quelle: Bergens Tidende

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