Fünf Jugendliche brechen nachts in ein baufälliges Schulgebäude ein – und die Polizei muss die Öffentlichkeit warnen, dass dort überall tödliche Asbestplatten lauern. Ein solcher Vorfall in Trondheim ist mehr als eine Randnotiz aus dem Polizeibericht. Er legt eine tiefere Gleichgültigkeit offen, die sich durch den Umgang mit öffentlichem Eigentum, Jugenderziehung und Sicherheitsverantwortung zieht.
Ein Anwohner hatte gegen 23.30 Uhr beobachtet, wie jemand in die alte Ladejarlen-Schule eindrang. Die alarmierten Beamten trafen auf eine Gruppe von fünf Teenagern, von denen keiner die Tat zugab. Die polizeiliche Reaktion konzentrierte sich bemerkenswerterweise nicht auf strafrechtliche Ermittlungen, sondern auf eine dringende Warnung: Das Gebäude sei mit Asbest belastet, die vielen zerschlagenen Fenster machten das Eindringen kinderleicht. Der Besitzer müsse endlich für eine bessere Sicherung sorgen.
Dass eine Schule, einst ein Ort der Bildung und Gemeinschaft, heute als ungesicherte Gefahrenzone vor sich hin rottet, ist ein stiller Skandal. Asbestplatten liegen offen, die Fenster sind zertrümmert – hier wurde über Jahre weggeschaut. Wer Gebäude wie dieses verfallen lässt, ohne sie angemessen abzusperren, nimmt bewusst in Kauf, dass Neugierige, spielende Kinder oder nächtliche Abenteurer ihre Gesundheit ruinieren. Asbestfasern sind heimtückisch, sie verursachen Jahrzehnte später Lungenkrebs, und doch scheint die Sicherung solcher Objekte für viele Eigentümer eine lästige Nebensächlichkeit zu sein.
Der Hinweis des operasjonsleder Christopher James White, man werde den Eigentümer auffordern, das Areal besser zu schützen, klingt fast zynisch. Warum musste es erst einen Einbruch und einen Polizeieinsatz geben, bevor diese naheliegende Forderung laut wird? Überall in skandinavischen Städten gammeln ähnliche Bauwerke vor sich hin – stillgelegte Schulen, Fabrikhallen, Verwaltungsgebäude. Sie werden zu Magnetpunkten für Vandalismus, Drogenkonsum und leichtsinnige Mutproben, während die Verantwortlichen die Augen verschließen.
Hinzu kommt eine andere unbequeme Wahrheit: Der nächtliche Ausflug der Jugendlichen deutet auf mehr hin als jugendlichen Übermut. Wenn Teenager um Mitternacht in verlassene Häuser einsteigen und später jede Beteiligung abstreiten, fehlt es an elementarer Ehrlichkeit und Respekt vor fremdem Eigentum. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Erziehungsversagen, das in vielen Familien und Schulen längst zur Normalität geworden ist. Anstatt solche Verhaltensweisen zu bagatellisieren, braucht es klare Konsequenzen und eine unmissverständliche Vermittlung von Regeln.
Der Fall aus Trondheim ist ein Warnsignal, das über akute Gesundheitsgefahren hinausreicht. Er zeigt eine Gesellschaft, die sich an den Anblick verfallender öffentlicher Räume gewöhnt hat und in der persönliche Verantwortung immer häufiger verhandelbar erscheint. Statt nach dem Eigentümer zu rufen, sollten Behörden selbstverständlich in Vorleistung gehen und Gefahrenstellen konsequent versiegeln – bevor nicht nur zerschlagene Fenster, sondern auch zerstörte Lungen die Rechnung präsentieren. Und die Jugendlichen verdienen keine stillschweigende Duldung, sondern Ansprache, Grenzen und die Botschaft, dass Gemeineigentum kein rechtsfreier Abenteuerspielplatz ist.
Quelle: Adresseavisen

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