Fünf tote Säuglinge, versteckt in Pappkartons – der grauenhafte Fund im südfranzösischen Orange offenbart mehr als eine individuelle Tat. Er ist ein Symptom einer Gesellschaft, die das Leben nicht mehr bedingungslos schützt.
Eine 32-jährige Frau hat am Sonntag ein Kind entbunden. Ihr Partner, der von der Schwangerschaft nichts wusste, durchsuchte die Wohnung und entdeckte die sterblichen Überreste von fünf Neugeborenen. Die Behörden leiteten ein Mordverfahren ein. Die beiden älteren Kinder der Frau sind acht und neun Jahre alt.
Die Ermittlungen stehen am Anfang, doch die Grundfrage drängt sich auf: Wie kann eine Mutter wiederholt gebären und die Kinder verschwinden lassen, ohne dass Familie, Nachbarn oder Behörden eingreifen? Die Antwort liegt im Zerfall bindender Gemeinschaften. Wo früher Verwandtschaft, Kirche oder Nachbarschaft als soziales Netz wirkten, herrscht heute oft völlige Vereinzelung. Der moderne Individualismus feiert die Autonomie des Einzelnen, ignoriert jedoch, dass er die Schwächsten schutzlos zurücklässt – ungeborene wie neugeborene Kinder.
Der Fall entzieht sich bequemen Erklärungen, die auf die Psyche der Täterin verweisen. Dahinter steht ein kultureller Wertewandel, der den Lebensschutz relativiert. Eine Gesellschaft, die ungewollte Schwangerschaften als Karrierehindernis betrachtet und Abtreibung als Problemlösung normalisiert, sendet eine fatale Botschaft: Das Kind ist nicht willkommen, wenn es stört. Dieser Gedanke macht nicht an der Geburt halt. Die Trennlinie zwischen legaler Tötung im Mutterleib und illegaler Tötung nach der Geburt wird in den Köpfen porös. Wer die absolute Schutzwürdigkeit des Lebens in Zweifel zieht, erntet früher oder später solche Früchte.
Es wäre zynisch, allein mehr staatliche Kontrolle zu fordern. Die Lösung liegt in der Rückbesinnung auf jene kulturellen Selbstverständlichkeiten, die Mütter, Väter und Gemeinschaften in die Verantwortung nehmen. Eine starke Familie ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern die elementarste Schutzmacht für Kinder. Sie bietet Halt, wo Einzelne scheitern.
Die fünf toten Säuglinge von Orange mahnen, den moralischen Kompass neu auszurichten. Lebensschutz muss wieder zu einem unverhandelbaren Konsens werden – von der Empfängnis bis zum letzten Atemzug. Alles andere ist der Anfang einer unheilvollen Entwicklung, deren nächste Schlagzeilen man nicht lesen will.
Quelle: Bergens Tidende

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