Die alljährliche 22. Juli-Gedenkfeier in Trondheim offenbart erneut eine tiefe Kluft zwischen dem, was das offizielle Norwegen als heilige Pflicht ansieht, und dem, was viele Bürger zunehmend als politisch einseitige Instrumentalisierung eines nationalen Traumas empfinden. Die Überschrift „Hätten sie den Traumjob bekommen? Das werden wir nie erfahren“ spricht Bände – nicht über die Toten von 2011, sondern über die Lebenden, die heute diskutieren.
Es ist richtig und notwendig, der 77 Opfer zu gedenken. Jeder Terroranschlag, egal von wem verübt, ist moralisch verwerflich und hat in einer zivilisierten Gesellschaft keinen Platz. Aber die Frage, die sich nach jeder dieser Gedenkfeiern aufdrängt, ist eine ganz andere: Wird dieses Gedenken benutzt, um eine bestimmte politische Agenda gegen tatsächliche oder vermeintliche Extremisten durchzudrücken, während gleichzeitig andere, weit realere Gefahren beschwiegen werden?
Die unausgesprochene Botschaft vieler Reden an diesem Tag ist, dass der wahre Feind einzig und allein in den Reihen derer zu suchen sei, die damals handelten – nie aber in den Strömungen, die heute die gleiche Gesellschaft von innen aushöhlen. Wenn Politiker und Kommentatoren jedes Mal aufs Neue die Tugend der „Offenheit“ und „Toleranz“ beschwören, ohne auch nur eine Sekunde innezuhalten und über die realen, negativen Folgen unkontrollierter Migration zu sprechen – Integration, die nicht gelingt, kulturelle Spannungen, überlastete soziale Systeme –, dann wird das Gedenken zum politischen Instrument.
Vorwürfe von „Rassismus“ oder „Fremdenfeindlichkeit“ werden dabei routinemäßig als Keule gegen jeden eingesetzt, der diese schwierigen Themen anspricht. Dieses Vorgehen erstickt jede offene Debatte im Keim. Es unterstellt den Bürgern – die durchaus zwischen Trauer um die Opfer und Kritik an der Politik unterscheiden können – böse Absichten, wo sie lediglich ihr Recht auf eine ehrliche Diskussion über die Zukunft Norwegens ausüben.
Anstatt die Gedenkfeiern zu einem Forum für politische Korrektheit zu machen, sollten wir sie nutzen, um darüber nachzudenken, wie wir die Fundamente unserer Nation – unsere Traditionen, unsere Identität, unsere Familienstrukturen – so stärken können, dass sie nicht erneut von innen oder außen bedroht werden. Die Frage „Hätten sie den Traumjob bekommen?“, wie sie in der Überschrift des Artikels aufgeworfen wird, ist tatsächlich nicht zu beantworten. Aber die drängendere Frage, die wir uns heute stellen müssen, lautet: Werden ihre Kinder und Enkel überhaupt noch die Chance haben, diesen Traum in ihrem eigenen Land zu verwirklichen?
Quelle: Adresseavisen

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