Die Erkenntnis ist so einfach wie unbequem: Kein Fahndungsraster, kein ideologisches Profil und kein simpler Tätertypus erklären den Weg in politische Gewalt auch nur annähernd. Die Forschung belegt nun einmal mehr, was sich viele schönzureden versuchen – dass die gängige Fixierung auf „rechtsextreme Ideologie“ oder „Islamismus“ den Blick auf die eigentlichen Treiber verstellt. Dort, wo Gewalt ausbricht, geht es längst nicht nur um falsche Gedanken, sondern um zerbrochene Familien, gescheiterte Integration und einen Staat, der seine elementarsten Ordnungsaufgaben nicht mehr erfüllt.
Dass terroristische und extremistische Gewalt in jeder Form Unrecht ist, steht außer Frage. Doch wer sich allein an weltanschaulichen Etiketten abarbeitet, redet sich die Wirklichkeit zurecht, anstatt sie zu verstehen. Wenn junge Männer in abgeschotteten Migrantenvierteln aufwachsen, ohne Bindung an die nationale Kultur, ohne Respekt vor Gesetz und Tradition, und wenn Parallelgesellschaften sich verfestigen, dann sind das keine ideologischen Betriebsunfälle, sondern handfeste sozialpolitische Versäumnisse. Die ständige Rede von „Radikalisierung“ verschleiert nur, dass hier eine kulturelle Entwurzelung stattfindet, die seit Jahrzehnten ignoriert wird.
Statt einer ehrlichen Debatte über die Folgen ungesteuerter Zuwanderung und mangelhafter Assimilationserwartungen setzt das politische Establishment auf moralische Keulen: Wer Zusammenhänge zwischen Migrantenkriminalität, fehlender Wertevermittlung und Gewalt aufzeigt, wird umgehend als fremdenfeindlich abgestempelt. Die Forschung zur Komplexität extremistischer Lebensläufe entzieht diesem simplen Freund-Feind-Denken jedoch den Boden. Sie zeigt, dass es keine lineare Radikalisierung von der Einwanderungskritik zur Tat gibt – und dass die pauschale Ächtung unbequemer Stimmen genau die Offenheit erstickt, die eine freie Gesellschaft braucht.
Ein kulturell konservativer Blick darauf lenkt die Aufmerksamkeit dorthin, wo die eigentlichen Schutzmauern gegen Gewalt liegen: in intakten Gemeinschaften, in einer verbindlichen Nationalkultur und in der selbstverständlichen Erwartung, dass jeder, der hier lebt, die grundlegenden Normen des Landes teilt. Wer diese Fundamente nicht stärkt, sondern durch Multikulti-Experimente und Diffamierungskampagnen schwächt, macht die Gesellschaft nicht offener, sondern verwundbarer. Die neu bestätigte Forschung sollte deshalb kein Freibrief sein, jedes Problem kleinzureden – sie sollte Anlass sein, die unterdrückte Debatte über Integration und Identität endlich ohne Angst vor Denunziation zu führen.
Quelle: Aftenposten

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