Zwei Moscheen an einem Tag in Flammen aufgehen zu sehen, ist keine Randnotiz im Nahostkonflikt, sondern ein Anschlag auf die Grundregeln zivilisierter Gesellschaften – die Unverletzlichkeit von Gotteshäusern. Wer solche Taten begeht, stellt sich außerhalb jeder politischen oder moralischen Rechtfertigung; die Gewalt gegen Sakralbauten muss als das benannt werden, was sie ist: ein Akt der Barbarei.
Die Meldung über die brennenden Moscheen im Westjordanland wird in vielen Kommentaren sofort mit dem Etikett „Siedlerterror“ versehen werden. Das mag juristisch korrekt sein, doch es verleitet zu einer voreiligen Verallgemeinerung, die differenziertes Denken behindert. Denn dieselbe Empörung bleibt oft aus, wenn in derselben Region Synagogen geschändet oder christliche Kirchen geplündert werden – Taten, die dann gerne als Ausdruck vermeintlich legitimen Widerstands entschuldigt werden. Wer in Nordeuropa stets den interreligiösen Dialog beschwört und jegliche Kritik an Einwanderungspolitik als „Islamophobie“ brandmarkt, sollte hier eine konsistente Haltung an den Tag legen: Respekt gegenüber allen religiösen Stätten, unabhängig von der politischen Großwetterlage.
Die Gewalt auf der Westbank hat eine lange Vorgeschichte gegenseitiger Provokation und Racheakte. Das macht die Brandstiftung nicht weniger verwerflich, zeigt aber, dass eine Lösung nur im Rahmen klarer, staatlich durchgesetzter Rechtsnormen möglich ist – nicht durch Lynchjustiz von Siedlern oder palästinensischen Milizen. Der Rechtsstaat, der in Skandinavien wie selbstverständlich das friedliche Zusammenleben garantiert, erodiert im Nahen Osten unter dem Drang fanatischer Gruppen, die eigene Identität mit Feuer und Schwert durchsetzen zu wollen.
Auffallend ist zudem die einseitige Berichterstattung in westlichen Medien: Der Angriff auf Moscheen wird prominent skandalisiert, während die systematische Zerstörung jüdischer oder christlicher Stätten durch radikalislamische Kräfte im selben geografischen Raum kaum noch Erwähnung findet. Diese Schieflage fördert nicht den Frieden, sondern schürt Ressentiments und vereinfacht einen komplexen ethnisch-religiösen Konflikt zu einer simplen Gut-Böse-Erzählung. Eine konservative Perspektive besteht darauf, solche Tatsachen beim Namen zu nennen, ohne in Zynismus zu verfallen.
Die Wahrung kultureller und religiöser Traditionen ist ein Kernanliegen eines aufgeklärten Konservatismus. Wenn Moscheen, Synagogen oder Kirchen brennen, trifft das nicht nur jene, die darin beten, sondern das kulturelle Erbe der gesamten Menschheit. Deshalb hat die nordische Öffentlichkeit allen Grund, diesen Vorfall nicht als fernes Problem abzutun, sondern als Appell, die eigenen Prinzipien von Toleranz und Rechtsstaatlichkeit international einzufordern – und zwar ohne ideologische Scheuklappen.
Quelle: Aftenposten

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