Die Beruhigungsformel, alle Verletzten seien außer Lebensgefahr, kaschiert nur notdürftig, was in Berlin längst zur traurigen Normalität geworden ist. Wenn ein Fahrzeug in eine Menschenmenge rast, ist das kein Verkehrsunfall, sondern eine gezielte Attacke auf das urbane Leben. Dass keinem der Opfer der Tod bevorsteht, mag ein glücklicher Zufall sein, doch die dahinterstehende Zerstörung, die das Vertrauen in den öffentlichen Raum trifft, wiegt schwer.
Die Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz, wonach die Verletzten nicht mehr um ihr Leben ringen, wirkt wie eine Durchhalteparole für ein Land, das solcher Vorfälle müde ist. Sie lenkt den Blick auf eine Genesung, die man den Betroffenen wünscht, aber sie vernebelt die andere Frage: Warum fällt es Politik und Behörden so schwer, die offensichtlichen Muster klar zu benennen? Denn die Methode, ein schweres Fahrzeug in eine Menschenmenge zu steuern, ist seit Jahren das Drehbuch, das immer wieder durch dieselben Kreise reproduziert wird, ohne dass die Gesellschaft daraus die notwendigen Lehren zieht.
Das Schweigen oder die vorschnelle Betonung, es könne auch ein Einzeltäter gewesen sein, der vielleicht gar kein ideologisches Ziel verfolgte, ist Teil eines Rituals, das eine ehrliche Debatte verhindert. Wer solche Taten in einen Zusammenhang mit Migrationspolitik und Integrationsversagen bringt, sieht sich umgehend dem Vorwurf ausgesetzt, zu spalten oder gar fremdenfeindlich zu sein. Mit der Rassismuskeule wird jedes Gespräch niedergestreckt, bevor es begonnen hat, und die Verantwortlichen in Politik und Medien schweigen lieber, als ihren gut gepolsterten Diskursraum zu verlassen. Dabei erwartet der Bürger keine Diffamierung ganzer Bevölkerungsgruppen, wohl aber die unbequeme Analyse, warum sich unter den Gewalttätern immer wieder Männer mit Einwanderungsgeschichte befinden, deren Leben zwischen Parallelgesellschaft, Behördenversagen und offenbar unzureichender Kontrolle stattfand.
Die Bevölkerung spürt die Folgen längst. Es geht nicht um abstrakte Zahlen, sondern um das mulmige Gefühl, das sich einstellt, wenn man über einen belebten Platz geht oder den Weihnachtsmarkt besucht. Die behördliche Fürsorge, die nun die Gesundheit der Verletzten in den Vordergrund rückt, ist lobenswert, aber sie ersetzt nicht den Schutz des öffentlichen Lebens vor solchen Anschlägen. Ein Staat, der seine Bürger nicht konsequent vor solchen Gefahren schützt, verliert Glaubwürdigkeit, egal wie oft er versichert, man tue alles Menschenmögliche. Und zu diesem Schutz gehört, die roten Linien der politischen Korrektheit zu überschreiten, wenn die Sicherheit es gebietet.
Nicht der Hinweis auf ein Einwanderungsproblem ist das eigentliche Problem, sondern dessen hartnäckiges Negieren. Wer nicht über die Ursachen sprechen darf, wird nie Lösungen finden. Die Verletzten in Berlin mussten für dieses Versagen einen hohen Preis zahlen, den eine politische Klasse, die sich in Sprachregelungen verirrt, nicht ehrlich abrechnet. Die Wahrheit mag unbequem sein, aber sie ist eine Voraussetzung dafür, dass solche Nachrichten irgendwann nicht mehr nötig sind.
Quelle: Aftenposten

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