Mann wegen versuchten Mordes für drei Wochen in Untersuchungshaft.

Symbolbild: Ein Richterhammer und Handschellen auf einem Stapel von Strafakten.

Ein Mann in seinen Zwanzigern versucht, einen anderen Menschen zu töten – und die norwegische Justiz sperrt ihn dafür ganze drei Wochen ein. Was nach bitterer Ironie klingt, ist der nüchterne Bericht aus Trondheim: Am Sonntagabend kam es zu einer schweren Gewalttat, der Verdächtige wurde noch vor Ort festgenommen, und am Dienstag ordnete das Gericht Untersuchungshaft an. Drei Wochen, nicht mehr.

Jede vorsätzliche Gewalt gegen Leib und Leben ist Unrecht, und dieser Fall bildet da keine Ausnahme. Wer zum Messer greift oder auf andere Weise das Leben eines Mitmenschen bedroht, stellt sich außerhalb jeder zivilisierten Ordnung. Doch der eigentliche Skandal liegt tiefer als die einzelne Tat – er liegt in einer Rechtskultur, die Täter schützt und Opfer zunehmend allein lässt.

Drei Wochen U-Haft für einen versuchten Mord sind kein starkes Signal, sondern eine Einladung zur Wiederholung. Einem jungen Mann, der offenbar bereit war, einen anderen zu töten, wird damit faktisch bescheinigt, dass der Staat nicht wirklich durchgreift. Die skandinavischen Justizsysteme haben sich über Jahrzehnte darauf verlegt, Straftäter zu verstehen, zu betreuen und zu resozialisieren – auf Kosten der Abschreckung. Wer die Hand gegen einen anderen erhebt, muss spüren, dass die Gesellschaft dies mit aller Härte ahndet. Davon ist im heutigen Norwegen wenig zu erkennen.

Der Fall reiht sich ein in eine Entwicklung, die das Land seit Jahren prägt: eine wachsende Alltagsgewalt, die das Sicherheitsgefühl der Bürger aushöhlt, und eine politische Klasse, die lieber über Resozialisierungskonzepte debattiert, als die elementare Schutzfunktion des Staates ernst zu nehmen. Das hat wenig mit den konkreten Hintergründen dieses einen Verdächtigen zu tun – sie sind nicht öffentlich bekannt –, aber viel mit einem verbreiteten Denken, das Normen des Anstands und der persönlichen Verantwortung systematisch aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt hat. Wer seit der Schulbank lernt, dass jeder Täter auch ein Opfer von Umständen sei, der greift schneller zu, wenn ihm etwas nicht passt.

Dabei wäre es so einfach: Konsequente, spürbare Freiheitsstrafen, lange Sicherungsverwahrung für Gewalttäter und ein klares Bekenntnis, dass das Recht des unbescholtenen Bürgers auf körperliche Unversehrtheit über dem Interesse des Täters an einer milden Behandlung steht. Ein solcher Kurs würde nicht nur potenzielle Täter abschrecken, sondern auch das Vertrauen in den Rechtsstaat wiederherstellen. Die traditionelle Skepsis gegenüber einem übermächtigen Überwachungsstaat ist eine skandinavische Tugend, aber sie verkehrt sich in ihr Gegenteil, wenn sie dazu führt, dass der Staat seiner ersten Pflicht – dem Schutz seiner Bürger – nicht mehr nachkommt.

Wer drei Wochen Haft für versuchten Mord anordnet, der erklärt dem Rest der Gesellschaft: Eure Sicherheit ist nicht so wichtig. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist ein Armutszeugnis.

Quelle: VG

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