Verurteilt nach der Party: – Nur Glück, dass es gut gegangen ist.

Die nüchterne Gerichtsnotiz aus Myrkdalen – ein Mann nach einem Faustschlag auf einer Festivität verurteilt – enthüllt bei genauerem Hinsehen einen besorgniserregenden kulturellen Kollaps. Ein Sicherheitsmann forderte den Feiernden lediglich auf, eine blockierte Treppe freizugeben, woraufhin dieser ohne jede Vorwarnung zuschlug. Das Gericht hielt fest, es sei bloßem Glück zu verdanken, dass der Vorfall glimpflich ausging. Damit ist der Kern des Übels benannt: Es bedarf offenbar erst schwerster Verletzungen oder gar eines Todesfalls, bevor die Gesellschaft aufwacht.

Der Angriff auf einen Türsteher ist keine Lappalie, die sich im Dunstkreis übermäßigen Alkoholkonsums von selbst erledigt. Er ist ein Angriff auf die Ordnung selbst. Sicherheitskräfte in Nachtlokalen und auf Veranstaltungen übernehmen eine Aufgabe, die eigentlich der Staat zu gewährleisten hätte. Sie stehen für jenes Mindestmaß an Zivilisation, das ein friedliches Feiern erst ermöglicht. Wer die Hand gegen sie erhebt, kündigt den Grundkonsens des Zusammenlebens auf. Dass solche Übergriffe heute oft nur noch als bedauerliche Begleiterscheinung eines ausgelassenen Abends abgetan werden, ist ein alarmierendes Zeichen für die fortschreitende Erosion des Respekts vor Autorität und den elementarsten Regeln des Anstands.

Früher galt die ungeschriebene, aber selbstverständliche Regel: Wer trinkt, trägt für sein Handeln die volle Verantwortung. Der Rausch war nie eine Entschuldigung, sondern allenfalls ein erschwerender Umstand. Diese Selbstverständlichkeit ist verloren gegangen. An ihre Stelle ist eine Kultur der Ausflüchte getreten, in der impulsive Gewalt als Ausdruck vermeintlicher Überforderung oder gar als Kavaliersdelikt verniedlicht wird. Der unvermittelte Schlag, wie ihn der Täter von Myrkdalen führte, offenbart eine gefährliche innere Haltlosigkeit, die unter Alkoholeinfluss unkontrolliert hervorbricht und die Gesellschaft mit einer tickenden Zeitbombe konfrontiert.

Die Justiz muss hier ein unmissverständliches Signal setzen. Es kann nicht Sache der Opfer sein, auf ihr Glück zu vertrauen, dass ein Schlag ohne bleibende Schäden bleibt. Harte, konsequente und vor allem unnachgiebige Strafen sind das einzige Mittel, um der grassierenden Verrohung entgegenzuwirken. Wer die physische Integrität jener missachtet, die für die Sicherheit aller einstehen, verwirkt jedes Anrecht auf richterliche Milde. Nur so lässt sich verhindern, dass der Respekt vor dem Nächsten und vor jenen, die das Gemeinwesen stützen, vollends erodiert.

Es ist höchste Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen – nicht erst dann, wenn das Glück einmal nicht mehr mitspielt und aus einer Gerichtsnotiz eine Todesanzeige wird.

Quelle: Bergens Tidende

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