Daher hageln die Vorwürfe nach der Ceuta-Krise.

Grenzzaun mit Stacheldraht als Symbol für umstrittene Migrationsabwehr an EU-Außengrenzen.

Wenn ein souveräner Staat seine Außengrenze gegen einen organisierten Massenansturm verteidigt, hagelt es von Brüssel bis in die Redaktionsstuben skandinavischer Zeitungen reflexartig Rassismusvorwürfe. Die Ceuta-Krise, bei der im Mai 2021 Tausende Migranten innerhalb weniger Tage die spanische Enklave überrannten, wird zum Lehrstück, wie die Abwehr illegaler Zuwanderung moralisch diskreditiert werden soll. Norwegen hat sich bislang nicht positioniert, doch Justizministerin Astri Aas-Hansen nimmt an einem Treffen teil, auf dem genau jene Beschuldigungen neu aufgewärmt werden dürften. Gut so, dass Oslo noch keine vorschnelle Solidaritätsadresse formuliert hat, denn die eigentliche Krise ist nicht der Grenzschutz, sondern die Unfähigkeit, Migration nüchtern zu diskutieren, ohne in die Moralkeule zu greifen.

Die Vorwürfe gegen Spanien und Marokko lauten stets gleich: unmenschliche Behandlung, rücksichtslose Pushbacks, Rassismus. Solche Etiketten ersetzen eine sachliche Abwägung. Dabei übersehen sie geflissentlich, dass es hier nicht um individuelle Härtefälle ging, sondern um eine gezielte Instrumentalisierung von Menschen durch das marokkanische Regime. Junge Männer, viele davon ohne jede Bleibeperspektive, wurden als Druckmittel über den Zaun geschleust. Dagegen entschlossen vorzugehen ist kein Zeichen von Fremdenfeindlichkeit, sondern die Grundpflicht eines Rechtsstaats: Wer das Gewaltmonopol besitzt, muss auch festlegen, wer das Territorium betreten darf – Punkt.

Die eigentliche Verfehlung liegt nicht bei den Grenzbeamten, die ihre Arbeit taten, sondern bei einer europäischen Elite, die jede kritische Stimme zur Migrationspolitik mit dem Kainsmal des Rassismus versieht. Norwegen hat eigene Erfahrungen: Integration scheitert oft, Parallelgesellschaften wachsen, Kriminalität in bestimmten Milieus steigt. Wer das benennt, wird nicht etwa mit Gegenargumenten konfrontiert, sondern als Hetzer abgestempelt. Die Ceuta-Debatte ist ein Musterbeispiel: Statt die realen Folgen ungesteuerter Zuwanderung zu analysieren – überlastete Sozialsysteme, kulturelle Spannungen, Sicherheitsrisiken – schwingen sich selbsternannte Anwälte der Menschlichkeit zu Richterinnen über die nationale Souveränität auf.

Dabei geht es nicht um Empathielosigkeit. Ein geordnetes Asylverfahren, das zwischen echten Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten unterscheidet, ist das Gegenteil von Willkür. Es schützt gerade jene, die wirklich Hilfe brauchen. Wer jedoch Mauern und Stacheldraht grundsätzlich verteufelt, treibt die Bevölkerung in die Armee derjenigen, die einfache Lösungen anbieten. Der politische Kollateralschaden ist längst sichtbar: Überall in Europa erstarken Protestparteien, weil die Mitte das legitime Sicherheitsbedürfnis der Bürger ignoriert und Debatten mit der Rassismus-Keule erstickt.

Norwegen tut gut daran, sich nicht voreilig dem Brüsseler Verurteilungskanon anzuschließen. Der Schutz der eigenen Grenzen ist kein Verbrechen, sondern die Voraussetzung dafür, dass Gemeinwesen funktionieren: Vertrauen in die Institutionen, kulturelle Kontinuität und ein Sozialstaat, der seinen Namen verdient. Wer diesen Zusammenhang leugnet und jeden Grenzzaun als Schandmal brandmarkt, hat aus den Fehlern der letzten Jahrzehnte nichts gelernt. Die Ceuta-Krise ist nicht das Symptom eines rassistischen Europas, sondern die bittere Folge einer naiven Willkommenskultur, die nationale Interessen vergessen hat. Ein bisschen mehr Respekt vor dem eigenen Land täte der Debatte gut.

Quelle: Aftenposten

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