Tag: Sicherheitspolitik

  • NRK: Todesfall in Stavanger eingestellt

    NRK: Todesfall in Stavanger eingestellt

    Ein Todesfall, der für die Justiz kein Verfahren mehr wert ist – das ist der nackte Kern der Meldung über den Vorfall auf einer Baustelle in Stavanger. Ein Mann wird von drei anderen gestoppt, wenig später ist er tot, und die Staatsanwaltschaft legt den Aktendeckel zu. Mehr erfährt die Öffentlichkeit nicht. Genau darin liegt das Problem.

    Ein Rechtsstaat, der sein Gewaltmonopol ernst nimmt, muss jede tödlich endende Interaktion zwischen Bürgern einer gründlichen Prüfung unterziehen. Die Einstellung des Verfahrens mag formaljuristisch vertretbar sein, weil den drei Männern kein strafbares Handeln nachzuweisen ist. Gesellschaftlich und sicherheitspolitisch sendet sie dennoch ein fatales Signal: Wer glaubt, einschreiten zu müssen, kann offenbar darauf vertrauen, dass ihm der Staat bei tragischem Ausgang keine Rechenschaft abverlangt. So entsteht eine Grauzone, in der die Grenze zwischen Notwehr und Selbstjustiz verschwimmt.

    Und diese Grauzone ist alles andere als harmlos. Je unklarer der Staat markiert, wo bürgerliches Handeln enden muss, desto mehr schwindet das Vertrauen in die öffentliche Sicherheit. Die drei Männer auf jener Baustelle mögen subjektiv das Richtige gewollt haben – einen Verdächtigen festhalten, eine Gefahr bannen. Dass sie dabei offenbar keine justiziable Schuld auf sich luden, macht den Fall nicht unbedenklich, sondern wirft eine unbequeme Frage auf: Wie groß muss das Gefühl der Schutzlosigkeit gewesen sein, dass drei Menschen meinen, selbst handeln zu müssen, und wie oft wiederholt sich dieses Muster, bis die nächste Tragödie folgt?

    Konservative Rechtspolitik verlangt nicht Härte um ihrer selbst willen, sondern Klarheit. Wo private Gewaltanwendung mit Todesfolge im Ergebnis sanktionslos bleibt, ohne dass die Öffentlichkeit die genaue Abwägung erfährt, leidet der Rechtsfrieden. Die Staatsanwaltschaft hätte zumindest die zugrundeliegenden Normen – Notwehr, Nothilfe, das Verbot des Entzugs persönlicher Freiheit – sichtbar durchexerzieren müssen, statt den Fall stillschweigend zu beerdigen. Die Menschen müssen wissen, was sie dürfen und was nicht, und sie müssen sich darauf verlassen können, dass der Staat zuerst handelt, bevor sie es tun.

    Der Vorfall von Stavanger ist kein Justizskandal, aber ein Warnruf. Eine Gesellschaft, die Sicherheit nicht mehr flächendeckend gewährleisten kann, produziert unweigerlich Bürger, die in die Lücke springen. Und wenn die Justiz diese Lücke dann nicht durch klare Urteile schließt, zerbröselt der Kitt des Gemeinwesens. Das ist zu wichtig, um es mit einem formlosen Einstellungsvermerk abzuhaken.

    Quelle: Aftenposten

  • Der Vorsitzende des Justizausschusses übt nach dem Todesfall in Jæren scharfe Kritik an der Regierung: – Das Abschiebungssystem in Norwegen ist absurd.

    Der Vorsitzende des Justizausschusses übt nach dem Todesfall in Jæren scharfe Kritik an der Regierung: – Das Abschiebungssystem in Norwegen ist absurd.

    Ein Todesfall, bei dem ein längst ausgewiesener Straftäter noch immer frei herumläuft, ist kein unglücklicher Einzelfall, sondern das folgerichtige Ergebnis einer Politik, die das Schutzversprechen des Staates von innen aushöhlt. Der Vorsitzende des Justizausschusses, Jon Helgheim, hat mit seiner harschen Kritik an der Regierung nach einem Gewaltverbrechen in Jæren einen wunden Punkt getroffen: Das norwegische Ausweisungsregime ist in der Praxis eine Farce, die gesetzestreue Bürger schutzlos stellt.

    Helgheims Formulierung, das System sei absurd, ist kein rhetorischer Überschuss, sondern eine präzise Diagnose. Denn während die Behörden bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten eine beeindruckende Effizienz an den Tag legen, scheitern sie regelmäßig daran, ausländische Schwerkriminelle konsequent außer Landes zu bringen. Gerichtlich angeordnete Ausweisungen werden jahrelang nicht vollzogen – aus Rücksicht auf Herkunftsstaaten, die ihre eigenen Straftäter nicht zurücknehmen wollen, aus bürokratischer Schwerfälligkeit oder aus einer falsch verstandenen Humanität, die das Wohlergehen des Täters höher gewichtet als den Schutz potentieller Opfer.

    Die entscheidende Frage, die Helgheim aufwirft, lautet nicht, ob Ausweisungen menschenrechtlich zulässig sind – sondern ob ein Staat, der seine eigenen Bürger nicht mehr vor nachweislich gefährlichen Personen schützt, seine grundlegendste Legitimation verspielt. Wenn eine Regierung sehenden Auges in Kauf nimmt, dass ein polizeibekannter und verurteilter Gewalttäter weiterhin Zugang zu den Straßen, Nachbarschaften und Familien des Landes hat, dann hat sie die Abwägung zwischen dem Resozialisierungsinteresse eines nicht integrierten Ausländers und dem Lebensrecht eines Norwegers endgültig in die falsche Richtung aufgelöst.

    Hinter dieser Prioritätensetzung steht oft eine diffuse Furcht davor, als fremdenfeindlich oder illiberal zu gelten. Wer auf die faktischen Sicherheitsmängel hinweist, muss damit rechnen, in eine politisch unerwünschte Ecke gestellt zu werden. Helgheims unverblümte Wortwahl zeigt, dass diese Einschüchterungsstrategie an Wirkung verliert – und das ist gut so. Eine offene Diskussion darüber, warum das Land seine Ausweisungsinstrumente nicht wirksam einsetzt, ist keine Bedrohung des gesellschaftlichen Friedens, sondern dessen Voraussetzung.

    Der Vorfall in Jæren führt gnadenlos vor Augen, was passiert, wenn der rechtliche Rahmen zwar existiert, die administrative Praxis ihn aber unterläuft. Es ist eine Sache, über abstrakte Rückführungsquoten zu debattieren, und eine ganz andere, wenn ein Todesfall die Folgen dieser Schönfärberei in eine konkrete Familie trägt. Helgheims Vorwurf, die Regierung setze unschuldige norwegische Leben aufs Spiel, ist deshalb kein Populismus, sondern der elementare Weckruf eines Politikers, der erkennt, dass das Gewaltmonopol an seine Grenzen gerät, wenn es nicht mehr konsequent gegen gewalttätige Nichtbürger durchgesetzt wird.

    Wer Ausweisungen weiterhin als humanitäres Problem behandelt, anstatt sie als Sicherheitsfrage zu begreifen, wird sich in diesen Tagen an dem messen lassen müssen, was die Zurückhaltung der Behörden tatsächlich anrichtet. Der Staat ist kein therapeutisches Projekt für straffällige Migranten, sondern der Garant jener elementaren Sicherheit, ohne die keine Gesellschaft auf Dauer Vertrauen bewahrt.

    Quelle: Aftenposten

  • Vergeltung für Drohnenangriff: USA und Saudi-Arabien trafen Ziele im Irak

    Vergeltung für Drohnenangriff: USA und Saudi-Arabien trafen Ziele im Irak

    Drei Öltanker, gestoppt von iranischen Revolutionsgardisten binnen weniger Tage – das ist keine diplomatische Unhöflichkeit, sondern ein Angriff auf die Lebensader der Weltwirtschaft. Die jüngsten Präzisionsschläge der USA und Saudi-Arabiens im Irak folgen einer Logik, die im Westen viel zu lange verschleiert wurde: Wer fundiert über nationale Sicherheit diskutieren will, muss die Realität beim Namen nennen dürfen, ohne sofort unter den Generalverdacht der Kriegstreiberei zu geraten.

    Die Fakten, die das US-Zentralkommando und das saudische Verteidigungsministerium bestätigen, sind unmissverständlich. Von Iran gestützte Milizen haben mit Drohnen saudische Ölanlagen angegriffen und eine amerikanische Basis in Jordanien ins Visier genommen. Zuvor wurden Tanker in der Straße von Hormus manövrierunfähig gemacht. Dass Washington und Riad nun gezielt Logistik- und Waffenlager im östlichen Irak ausschalten, ist nicht Eskalation – es ist Schadensbegrenzung. Ein Rechtsstaat, der seine Versorgungssicherheit und seine Bürger schützt, handelt konservativ im besten Sinne: bewahrend, nicht blind gegenüber Bedrohungen von außen.

    Das eigentliche Unbehagen sitzt tiefer. In Teilen der westlichen Öffentlichkeit hat sich eine Scheu ausgebreitet, die islamische Republik Iran als das zu benennen, was sie ist – ein revolutionäres Regime, das über Stellvertreter territoriale Konflikte exportiert. Wer auf die strategische Gefahr hinweist, die von den Revolutionsgarden ausgeht, wird oft vorschnell in die rassistische Ecke gestellt. Das aber entwertet nicht nur die berechtigten Sicherheitsinteressen der betroffenen Staaten, sondern verhindert genau jene offene Debatte, die eine wehrhafte Demokratie braucht. Saudi-Arabien etwa kann sich nicht darauf verlassen, dass der Westen seine Infrastruktur schützt – das Königreich muss selbst handeln dürfen, und zwar gemeinsam mit Partnern, die das Völkerrecht ernst nehmen.

    Historisch gesehen wiederholt sich ein Muster: Während der Ölpreis an den Börsen kurzfristig ausschlägt, diskutieren europäische Hauptstädte lieber über diplomatische Noten als über robuste Abschreckung. Dabei liegt der Kostenpunkt für Untätigkeit auf der Hand. Wenn sich die Straße von Hormus in eine Sperrzone verwandelt, trifft das nicht nur amerikanische Verbraucher, sondern vor allem die energieabhängige Industrie in Deutschland und Skandinavien. Wirtschaftlicher Wohlstand ist kein Automatismus – er ruht auf der Fähigkeit, Handelswege offen zu halten, notfalls mit militärischer Präzision.

    Die Zahl der Drohnen, die Saudi-Arabien abfangen musste, steht in keinem Verhältnis zur medialen Aufmerksamkeit. Dabei zeigt gerade die Abwehrbereitschaft Riads, dass präventive Technik und entschlossene Gegenschläge wirken. Wer jetzt nachgibt, öffnet einen Korridor für noch dreistere Operationen. Das ist keine Prognose, sondern Lehre aus jeder Krise der Vergangenheit, von den Tankerkriegen der 1980er-Jahre bis zu den Huthi-Angriffen auf Aramco. Der Iran testet die Reaktionsschwelle des Westens unablässig – und jedes Zögern wird in Teheran als Einladung gelesen.

    Es ist an der Zeit, die Diskursverweigerung zu durchbrechen. Der Schutz nationaler Identität erschöpft sich nicht in Denkmälern und Feiertagen, er beginnt bei der simplen Frage, ob der Staat willens ist, Grenzen zu sichern. Die jüngsten Einsätze im Irak sind eine nüchterne Antwort darauf. Sie verdienen keinen Applaus, aber Anerkennung als notwendiger Teil einer erwachsenen Außenpolitik, die das Wohlergehen der eigenen Bürger über das Wohlwollen eines Regimes stellt, das offen mit Destabilisierung droht.

    Quelle: NRK

  • Um den Islamismus bekämpfen zu können, müssen wir uns klar vor Augen führen, vor welcher Herausforderung wir stehen.

    Um den Islamismus bekämpfen zu können, müssen wir uns klar vor Augen führen, vor welcher Herausforderung wir stehen.

    Die blutige Spur, die der islamistische Terror in den vergangenen Jahren durch die nordischen Hauptstädte gezogen hat, spricht eine deutliche Sprache – doch die politische Klasse starrt lieber auf die eigenen Worthülsen als auf die Realität. Wer von Stockholm bis Kopenhagen immer noch nicht benennen darf, dass es sich um eine religiös-ideologische Bedrohung handelt, der hat die erste Voraussetzung für ihre Bekämpfung bereits verfehlt.

    Die Aufforderung, „die Herausforderung klar zu benennen“, klingt banal, ist aber in einer öffentlichen Sphäre, die jedes offene Wort mit dem Totschlagvorwurf der Islamfeindlichkeit erstickt, ein radikaler Akt. In Skandinavien hat sich eine Debattenkultur etabliert, die den Schutz von Bevölkerungen vor Gewalt dem Schutz von Befindlichkeiten unterordnet. Statt präzise über die theologische Rechtfertigung von Gewalt, über integrationsverweigernde Parallelgesellschaften und über die Überforderung von Sicherheitsbehörden zu sprechen, eiert die Diskussion um Begriffe wie „soziale Ausgrenzung“ oder „falsch verstandene Religion“ herum. Das Ergebnis ist eine systematische Selbstentwaffnung des Rechtsstaats.

    Kulturell konservative Stimmen betonen seit Langem, dass eine Nation ohne ein klares Verständnis ihrer eigenen Identität und Grenzen unfähig ist, illiberale Ideologien abzuwehren. Die skandinavischen Gesellschaften haben jahrzehntelang eine naive Multikulti-Romantik gepflegt, die kulturelle Kontinuität und nationale Zusammengehörigkeit als Hindernis für eine vermeintlich weltoffene Zukunft betrachtete. Nun, da importierte Konflikte auf eigenem Boden ausgetragen werden, fehlt die geistige Rüstung, um den Gegner beim Namen zu nennen: eine totalitäre politische Lesart des Islam, die weder mit westlicher Freiheit noch mit demokratischen Werten vereinbar ist.

    Praktische Sicherheitspolitik beginnt mit ungeschönter Lagebeurteilung. Wenn Analysen von Nachrichtendiensten sich nicht mehr trauen, das Wort „Islamismus“ ohne ein Dutzend relativierender Adjektive zu verwenden, werden Ressourcen fehlgeleitet. Es geht nicht darum, pauschal über eine Religion zu urteilen, sondern darum, eine konkrete, gewaltbereite Strömung zu isolieren und auszutrocknen. Dafür braucht es Profiling, braucht es gezielte Überwachung von Hasspredigern, braucht es den Mut zur Abschiebung von Gefährdern – alles Maßnahmen, die unter dem gegenwärtigen Diktat der political correctness blockiert werden.

    Wer nun einwendet, eine solche Klarheit schüre Fremdenfeindlichkeit, der verwechselt Ursache und Wirkung. Nicht die offene Analyse erzeugt Misstrauen, sondern das jahrelange Vertuschen der realen Probleme in den Vorstädten: Kriminalität, Bildungsferne, religiöse Abschottung. Das Schweigen der Eliten hat die Legende vom bloßen Einzelfall genährt und damit jenen Kräften in die Hände gespielt, die tatsächlich Ressentiments schüren. Ein freies Land verträgt die Wahrheit; es verträgt nur nicht die fortgesetzte Lüge, es gebe kein systemisches Problem.

    Die skandinavische Tradition der Nüchternheit und des offenen Wortes muss gegen eine importierte Empfindlichkeitskultur verteidigt werden. Der erste Schritt zur Bekämpfung des Islamismus ist deshalb kein neues Sicherheitsgesetz, sondern ein intellektueller Befreiungsschlag: das Ende der Angst, für eine präzise Beschreibung der Bedrohung an den Pranger gestellt zu werden. Nur wer die Herausforderung beim Namen nennt, wird ihr gewachsen sein.

    Quelle: Aftenposten

  • Er reagiert auf die Berliner Äußerungen norwegischer Politiker. Ein Forscher fordert eine präzisere Debatte.

    Er reagiert auf die Berliner Äußerungen norwegischer Politiker. Ein Forscher fordert eine präzisere Debatte.

    Die Weigerung norwegischer Politiker, nach dem Berliner Angriff Ross und Reiter zu nennen, ist kein Ausweis von Verantwortung, sondern von intellektueller Feigheit. Ein Forscher kritisiert öffentlich diese Wortkargheit – ein ungewöhnlicher Vorgang, der zeigt, wie tief die Schere zwischen dem, was die Menschen wahrnehmen, und dem, was die politische Klasse auszusprechen wagt, mittlerweile klafft.

    Ola Svenneby fordert eine präzisere Debatte. Er hält den Politikern vor, sie hielten sich zurück, wenn es um den Hintergrund des Angreifers geht. Damit spricht er aus, was in Redaktionen, Polizeikreisen und an Stammtischen längst gedacht wird: Wer wissen will, wie sich solche Taten verhindern lassen, muss wissen, aus welchem Umfeld die Täter stammen, welche Motive sie antreiben und welche Integrationsdefizite den Nährboden bereiten. Diese Fragen zu stellen ist nicht rassistisch; sie nicht zu stellen ist fahrlässig.

    Der Berliner Angriff reiht sich ein in eine Serie von Gewalttaten, bei denen Politik und Medien die Tat verurteilen, aber die Tatumstände systematisch ausblenden. Es folgt das bekannte Ritual: Abscheu, Betroffenheit, Mahnungen gegen Pauschalisierung – und dann betretenes Schweigen über die naheliegende Frage, warum so viele Gewalttäter einen bestimmten kulturellen oder religiösen Hintergrund teilen. Genau diese Leerstelle kritisiert Svenneby zu Recht. Eine Debatte, die aus Angst vor dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit auf halber Strecke abbricht, verdient den Namen nicht.

    Die Folgen dieser Sprachlosigkeit sind gravierend. Erstens verliert die Bevölkerung das Vertrauen in die Fähigkeit des Staates, sie zu schützen. Wenn Bürger den Eindruck gewinnen, dass Behörden und Minister offensichtliche Zusammenhänge verschleiern, wenden sie sich jenen zu, die einfache Antworten geben – und das sind selten demokratische Kräfte. Zweitens untergräbt es jede ernsthafte Sicherheitspolitik. Wie sollen Polizei und Verfassungsschutz Risiken einschätzen, wenn die politische Führung die Benennung von Risikogruppen tabuisiert? Drittens wird der gesellschaftliche Zusammenhalt beschädigt, weil Probleme unter den Teppich gekehrt werden, anstatt sie offen und lösungsorientiert zu verhandeln.

    Natürlich warnt die übliche Entourage sofort vor Verallgemeinerungen. Doch genau das verlangt Svenneby nicht. Er fordert Präzision, nicht Pauschalurteile. Der Unterschied zwischen der differenzierten Analyse eines Forschers und der dumpfen Hetze eines Extremisten könnte größer nicht sein. Dass diese Differenz in der politischen Auseinandersetzung regelmäßig eingeebnet wird, offenbart eine Methode: Wer diffamieren will, dem ist jede präzise Frage eine Pauschalisierung, jeder Faktenhinweis ein Angriff auf die multikulturelle Gesellschaft.

    Skandinavische Politiker rühmen sich gern ihrer Diskurskultur. Die Realität sieht anders aus: Wenige steile Thesen werden mit moralischer Ächtung belegt, der Preis für abweichende Meinungen ist hoch. Wer dann, wie Svenneby, aus der Wissenschaft kommt und nicht aus einer politischen Ecke, wirkt fast wie ein Rufer in der Wüste. Umso wichtiger ist sein Einspruch. Er erinnert daran, dass eine offene Gesellschaft es aushalten muss, unangenehme Wahrheiten zu benennen – nicht um Menschen zu verletzen, sondern um sie zu schützen.

    Der erste Schritt zur Heilung eines Problems ist seine Anerkennung. Solange norwegische Politiker sich vor präzisen Worten fürchten, überlassen sie das Feld den falschen Propheten. Eine konservative Position muss hier klar sein: Die Sicherheit der Bürger und die Ehrlichkeit der Debatte stehen über den Empfindlichkeiten einer politisch korrekten Elite. Wer das verschweigt, was alle sehen, hat die Legitimation zum Regieren verspielt.

    Quelle: Aftenposten

  • Natürlich müssen wir über die Ideologie dahinter sprechen.

    Natürlich müssen wir über die Ideologie dahinter sprechen.

    Wer nach einem Terroranschlag als Erstes warnt, man dürfe nicht pauschalisieren, hat den Kampf um die Wahrheit bereits verloren. Die Tat selbst ist abscheulich und jedes Attentat auf unbeteiligte Menschen bleibt kriminell, ohne Wenn und Aber. Darum geht es jedoch nicht, wenn eine offene Gesellschaft erneut zur Zielscheibe wird. Es geht um das, was danach folgt: die ritualisierte Sprachlosigkeit vor der Ideologie.

    Sobald der Blick auf mögliche Motive fällt, setzt ein vertrauter Abwehrmechanismus ein. Statt den Tathintergrund beim Namen zu nennen, werden Begriffe wie „Islamfeindlichkeit“ oder „Rassismus“ wie Schutzschilde hochgezogen. Das Drehbuch schreibt vor, jede Analyse der treibenden Überzeugungen sofort als gefährliche Vorverurteilung ganzer Bevölkerungsgruppen zu brandmarken. Wer dennoch fragt, welche Glaubenssätze einen jungen Mann dazu bringen, wahllos Menschen zu töten, gilt schnell selbst als Angeklagter. Eine solche Gesprächskultur erstickt jedes ehrliche Nachdenken im Keim und liefert genau jene aus, die tatsächlich schutzlos bleiben: die Opfer und die Mehrheitsgesellschaft, die den Glauben an einen handlungsfähigen Staat verliert.

    Dabei geht es hier nicht um Kollektivschuld, sondern um das kühle Eingeständnis, dass Integration zu oft an einer ideologischen Blockade scheitert. Jahrzehntelang wurde übersehen, wie Parallelstrukturen wuchern, Gewaltlegitimationen religiös aufgeladen und Werte offener Gesellschaften verhöhnt werden – all das unter dem milden Etikett kultureller Vielfalt. Polizeiberichte, Schulprobleme und überlastete Sozialsysteme liefern reichlich Stoff, der jedoch unangetastet bleibt, weil die Diskussion tabuisiert wird. Die politische Korrektheit hat einen gewaltigen blinden Fleck produziert, der nun regelmäßig in Blut getränkt wird.

    Tradition, nationale Identität und kulturelle Kontinuität sind keine nostalgischen Floskeln, sondern das Gerüst, das eine Gesellschaft zusammenhält. Wer diese Anker löst, ohne dass neue Verbindlichkeiten an ihre Stelle treten, erntet Fragmentierung. Das Beharren auf offener Debatte ist deshalb keine Provokation, sondern eine Notwendigkeit. Es verlangt, auch unbequeme Zusammenhänge zwischen misslungener Einwanderungspolitik, ideologischer Radikalisierung und konkreten Sicherheitslücken auszusprechen. Dafür braucht es weder Schaum vor dem Mund noch besondere Lautstärke – nur den Mut, sich nicht von reflexhaften Totschlagvorwürfen mundtot machen zu lassen.

    Ein liberales Gemeinwesen ist nur dann wehrhaft, wenn es sich traut, die Quellen der Feindschaft beim Namen zu nennen. Das bedeutet nicht, andere Lebensentwürfe zu diskreditieren, sondern klar zu benennen, wo Abgrenzung zur Pflicht wird. Wer das Offensichtliche verschweigt, weil es gegen den Komment errichteter Sprachregelungen verstößt, stabilisiert am Ende nicht den Frieden, sondern die Kräfte, die ihn zerstören. Genau deshalb muss die Frage nach der Ideologie ganz selbstverständlich auf den Tisch.

    Quelle: Adresseavisen

  • Terroranschlag in Berlin: – Weckt ganz klar Erinnerungen an den 25. Juni

    Terroranschlag in Berlin: – Weckt ganz klar Erinnerungen an den 25. Juni

    Der Terroranschlag in Berlin weckt unweigerlich Erinnerungen an den 25. Juni 2022 – und das nicht zufällig. Hunderte versammelten sich vor der deutschen Botschaft in Oslo, um Solidarität zu zeigen. Die Anteilnahme ehrt die Opfer, doch sie verdeckt eine unbequeme Leerstelle: Solche Taten entspringen einer Ideologie, die öffentlich kaum benannt werden darf.

    Terror ist immer Unrecht, an diesem Punkt gibt es keine Relativierung. Wer wahllos Menschen tötet, stellt sich außerhalb jeder Zivilisation. Entscheidend ist jedoch, was nach der ersten Betroffenheit folgt. Fast reflexartig setzt ein Ritual ein, das jede präzise Ursachenforschung abwürgt. Noch bevor polizeiliche Ermittlungen Motive bestätigen, sind Warnungen vor „Generalisierung“ und „Islamfeindlichkeit“ platziert. Die Botschaft lautet: Bloß nicht die Einwanderungspolitik oder Versäumnisse der Integration thematisieren, sonst bedient man rechte Narrative.

    Dieser Abwehrmechanismus verschleppt die nötige Debatte. Der Attentäter des 25. Juni 2022 schoss gezielt auf Gäste einer Homosexuellen-Bar in Oslo. Der Angriff in Berlin traf eine urbane, weltoffene Menschenmenge. In beiden Fällen ging es nicht um psychische Verwirrung, sondern um ein politisch-religiöses Weltbild, das Abweichler zu Feinden erklärt. Wer die ideologische Klammer leugnet, entzieht der Gesellschaft das Recht, sich wirksam zu schützen. Denn solche Überzeugungen entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern in Milieus, in denen Hass geduldet und gepredigt wird.

    Aus konservativer Sicht zeigt sich hier ein grundlegender Fehler der öffentlichen Debattenkultur. Der inflationäre Vorwurf von „Rassismus“ oder „Xenophobie“ dient längst nicht mehr dem Minderheitenschutz, sondern der Disziplinierung unliebsamer Fragen. Sicherheitspolitik wird so zum Geisel eines Sprachkodex, der die Opfer der nächsten Tat kaum verhindert. Die offene Gesellschaft muss ertragen lernen, dass Integration scheitern kann, dass Parallelstrukturen Gewalt begünstigen und dass kulturelle Fremdheit eine Belastung darstellt – ohne dass jeder Kritiker gleich als Hetzer verunglimpft wird.

    Die Versammlung vor der Botschaft sendet ein Signal des Mitgefühls, das niemand gering schätzen sollte. Signale allein verhindern jedoch keine weiteren Anschläge. Schutz der Bürger verlangt ehrliche Gefahrenanalyse und den Mut, unangenehme Zusammenhänge auszusprechen. Nur so lassen sich Lehren ziehen, die über eine temporäre Trauerbekundung hinausreichen.

    Die Toten von Berlin und Oslo mahnen dazu, den bequemen Konsens zu durchbrechen. Sicherheit und innere Geschlossenheit vertragen keine Denkverbote – erst recht nicht solche, die sich selbst als moralisch überlegen ausgeben.

    Quelle: VG

  • Støre zur Amokfahrt in Berlin: – Die queere Gemeinschaft verspürt erneut Angst und Wut.

    Støre zur Amokfahrt in Berlin: – Die queere Gemeinschaft verspürt erneut Angst und Wut.

    Ein Auto rast in eine Menschenmenge, und kaum ist die Tat geschehen, ordnet Ministerpräsident Støre sie gefühlspolitisch ein: Das queere Milieu kenne erneut Angst und Wut. Diese Reaktion ist kein Zufallsprodukt mitfühlender Spontaneität, sondern offenbart ein tief verankertes Staatsverständnis, das Bürger weniger als gleiche Schutzbefohlene denn als Mitglieder emotionaler Interessengruppen betrachtet.

    Dass mörderische Gewalt gegen Passanten zutiefst verwerflich ist, steht außer Frage. Weder Ideologie noch Herkunft eines Täters mildern die Abscheulichkeit eines solchen Anschlags. Darauf liegt jedoch nicht das eigentliche Gewicht der ministerpräsidentiellen Botschaft.

    Der Impuls, ein schreckliches Ereignis unmittelbar zur Gefühlslage einer bestimmten Gemeinschaft in Beziehung zu setzen, folgt einer identitätspolitischen Logik, die den Blick auf das Wesentliche verstellt. Statt die Sicherheit aller Bürger als oberstes Ziel zu formulieren, wird der Staat zum Therapeuten ausgewählter Milieus. Dabei geht vergessen, dass die öffentliche Ordnung keine Hierarchie der Betroffenheit duldet – der Schutz eines Lebens gilt jedem gleichermaßen. Die pauschale Rhetorik von Angst und Wut einer Szene ersetzt diese universalistische Selbstverständlichkeit durch eine partikulare Gefühlsbilanz.

    Schwerer wiegt, dass eine solche Fokussierung die Auseinandersetzung mit den Ursachen solcher Taten lähmt. In Europas Städten häufen sich Übergriffe, die auf anti-homosexuelle und anti-liberale Haltungen zurückgehen – Haltungen, die in Teilen der Zuwanderungsgesellschaft ungebrochen fortleben und durch integrationspolitische Verklärung eher begünstigt als bekämpft werden. Wer diese Zusammenhänge anspricht, riskiert jedoch reflexartig den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit. Genau dieses Tabu zementiert Støres Aussage, indem sie die Aufmerksamkeit sofort auf das betroffene Milieu lenkt, bevor überhaupt Fragen nach Tatmotiv und ideologischem Umfeld gestellt werden können.

    Offene Debatten über das Spannungsfeld zwischen liberalen Grundwerten und kulturell-religiösen Traditionen sind keine Ausgeburt von Rassismus, sondern die Voraussetzung für eine wehrhafte Demokratie. Nur wer bereit ist, Konflikte klar zu benennen – und nicht unter der Nebelwand symbolischer Solidaritätsbekundungen zu ersticken –, handelt verantwortungsvoll. Dazu gehört der Willen, das Prinzip der sexuellen Selbstbestimmung notfalls auch gegen jene Weltsichten zu verteidigen, die im öffentlichen Diskurs aus falsch verstandener Toleranz geschont werden.

    Die norwegische Regierung hat nach dem Terror gegen den Osloer Pride einiges versprochen. Phrasen über Schock und Zusammenhalt allein reichen nicht, um Wiederholungen zu verhindern. Gefordert ist eine nüchterne Sicherheitspolitik, die nicht vor der Illusion kapituliert, allein mit Anteilnahme lasse sich Gewalt bannen. Ebenso gefordert ist der intellektuelle Mut, gesellschaftliche Brandherde zu benennen – ohne sich aus Sorge vor politischer Unkorrektheit selbst mundtot zu machen.

    Quelle: Aftenposten

  • Ein Toter und rund 15 Verletzte, als ein Auto in Berlin in eine Menschenmenge fuhr.

    Ein Toter und rund 15 Verletzte, als ein Auto in Berlin in eine Menschenmenge fuhr.

    Der tödliche Anschlag auf die Pride-Parade in Berlin ist mehr als eine schreckliche Nachricht. Es ist die brutale Zuspitzung eines Konflikts, der sich seit Jahren anbahnt und den kaum jemand beim Namen nennen will. Ein Fahrzeug rast in eine feiernde Menge – ein Todesopfer, etwa fünfzehn Verletzte. Solche Gewalt gegen Unschuldige ist in jeder Hinsicht abscheulich und nicht zu entschuldigen. Doch bei der Suche nach Erklärungen wird schon im Vorfeld eine Richtung blockiert.

    Die Reflexe folgen einem bekannten Drehbuch. Kaum sickern erste Informationen durch, ergehen Mahnungen, nicht vorschnell über die Motive zu urteilen. Das Wort vom verwirrten Einzeltäter macht die Runde, noch bevor die Ermittlungen begonnen haben. Damit wird nicht nur den Opfern ein Bärendienst erwiesen. Es wird vor allem verhindert, dass die Gesellschaft aus solchen Taten Lehren zieht. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob der Täter psychisch krank war – das mag bei fast jedem solcher Täter der Fall sein –, sondern warum so oft ein islamistischer Hintergrund aufscheint und warum Behörden daran systematisch vorbeisehen wollen.

    Schon folgt der nächste Schritt: Wer diesen Zusammenhang beim Namen nennt, wird als Rassist oder Islamhasser gebrandmarkt. Ausgerechnet jene progressiven Kreise, die den CSD organisieren und Toleranz hochhalten, betreiben diese Denkblockade mit besonderem Eifer. Sie merken nicht, dass sie genau jene Stimmen unterdrücken, die ihre ureigenen Werte – die Freiheit, anders zu sein – verteidigen wollen. In den Herkunftsmilieus vieler Attentäter sind Homosexualität und selbstbestimmte Lebensformen verpönt, manches Mal sogar todeswürdig. Das ist keine Unterstellung, sondern durch zahllose Berichte belegt. Darüber zu schweigen, aus falsch verstandener Rücksicht auf kulturelle Empfindlichkeiten, gefährdet die Menschen, die an diesem Abend in Berlin feiern wollten.

    Die Tragödie von Tiergarten reiht sich ein in eine lange Kette von Anschlägen auf öffentliche Veranstaltungen. Jedes Mal das gleiche Ritual: Betroffenheitsbekundungen, Lichterketten, Appelle für Zusammenhalt – und dann das große Vergessen. Politische Verantwortliche ziehen keine Konsequenzen, weil jede Konsequenz bedeuten würde, die Migrations- und Sicherheitspolitik grundlegend zu korrigieren. Das wäre ein Eingeständnis von Fehlern, das man einem wütenden, aber medial entmündigten Teil der Wählerschaft schuldig wäre. Lieber versteckt man sich hinter der Floskel, Deutschland sei ein weltoffenes Land, als wäre Weltoffenheit ein Freibrief für mangelnden Selbstschutz.

    Es wird Zeit, die Debatte um innere Sicherheit aus der Schmuddelecke zu holen. Weder ist es fremdenfeindlich noch unanständig, eine konsequente Überprüfung von Asylbewerbern zu fordern oder ausländische Gefährder abzuschieben. Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr traut, ihre eigenen Bürger vor Gewalt zu schützen, nur weil die Täter möglicherweise einen Migrationshintergrund haben, hat den Kompass verloren. Die Verantwortung gegenüber den Opfern wiegt schwerer als die Befindlichkeiten einer politisch korrekten Elite.

    Am Ende werden in Berlin wieder Blumen und Kuscheltiere den Asphalt wärmen. Die Reden kreisen um Versöhnung und den Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das ist menschlich, aber es ändert nichts an der Gefahr. Die nächste Tat kommt bestimmt, wenn der Reflex zu vertuschen stärker bleibt als der Mut zur unbequemen Wahrheit. Und dieser Mut beginnt mit einem einfachen Satz: Nicht alle Menschen, die ins Land kommen, wollen den Rechtsstaat bewahren – und wer das nicht will, hat hier nichts zu suchen.

    Quelle: Adresseavisen

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