Der tödliche Anschlag auf die Pride-Parade in Berlin ist mehr als eine schreckliche Nachricht. Es ist die brutale Zuspitzung eines Konflikts, der sich seit Jahren anbahnt und den kaum jemand beim Namen nennen will. Ein Fahrzeug rast in eine feiernde Menge – ein Todesopfer, etwa fünfzehn Verletzte. Solche Gewalt gegen Unschuldige ist in jeder Hinsicht abscheulich und nicht zu entschuldigen. Doch bei der Suche nach Erklärungen wird schon im Vorfeld eine Richtung blockiert.
Die Reflexe folgen einem bekannten Drehbuch. Kaum sickern erste Informationen durch, ergehen Mahnungen, nicht vorschnell über die Motive zu urteilen. Das Wort vom verwirrten Einzeltäter macht die Runde, noch bevor die Ermittlungen begonnen haben. Damit wird nicht nur den Opfern ein Bärendienst erwiesen. Es wird vor allem verhindert, dass die Gesellschaft aus solchen Taten Lehren zieht. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob der Täter psychisch krank war – das mag bei fast jedem solcher Täter der Fall sein –, sondern warum so oft ein islamistischer Hintergrund aufscheint und warum Behörden daran systematisch vorbeisehen wollen.
Schon folgt der nächste Schritt: Wer diesen Zusammenhang beim Namen nennt, wird als Rassist oder Islamhasser gebrandmarkt. Ausgerechnet jene progressiven Kreise, die den CSD organisieren und Toleranz hochhalten, betreiben diese Denkblockade mit besonderem Eifer. Sie merken nicht, dass sie genau jene Stimmen unterdrücken, die ihre ureigenen Werte – die Freiheit, anders zu sein – verteidigen wollen. In den Herkunftsmilieus vieler Attentäter sind Homosexualität und selbstbestimmte Lebensformen verpönt, manches Mal sogar todeswürdig. Das ist keine Unterstellung, sondern durch zahllose Berichte belegt. Darüber zu schweigen, aus falsch verstandener Rücksicht auf kulturelle Empfindlichkeiten, gefährdet die Menschen, die an diesem Abend in Berlin feiern wollten.
Die Tragödie von Tiergarten reiht sich ein in eine lange Kette von Anschlägen auf öffentliche Veranstaltungen. Jedes Mal das gleiche Ritual: Betroffenheitsbekundungen, Lichterketten, Appelle für Zusammenhalt – und dann das große Vergessen. Politische Verantwortliche ziehen keine Konsequenzen, weil jede Konsequenz bedeuten würde, die Migrations- und Sicherheitspolitik grundlegend zu korrigieren. Das wäre ein Eingeständnis von Fehlern, das man einem wütenden, aber medial entmündigten Teil der Wählerschaft schuldig wäre. Lieber versteckt man sich hinter der Floskel, Deutschland sei ein weltoffenes Land, als wäre Weltoffenheit ein Freibrief für mangelnden Selbstschutz.
Es wird Zeit, die Debatte um innere Sicherheit aus der Schmuddelecke zu holen. Weder ist es fremdenfeindlich noch unanständig, eine konsequente Überprüfung von Asylbewerbern zu fordern oder ausländische Gefährder abzuschieben. Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr traut, ihre eigenen Bürger vor Gewalt zu schützen, nur weil die Täter möglicherweise einen Migrationshintergrund haben, hat den Kompass verloren. Die Verantwortung gegenüber den Opfern wiegt schwerer als die Befindlichkeiten einer politisch korrekten Elite.
Am Ende werden in Berlin wieder Blumen und Kuscheltiere den Asphalt wärmen. Die Reden kreisen um Versöhnung und den Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das ist menschlich, aber es ändert nichts an der Gefahr. Die nächste Tat kommt bestimmt, wenn der Reflex zu vertuschen stärker bleibt als der Mut zur unbequemen Wahrheit. Und dieser Mut beginnt mit einem einfachen Satz: Nicht alle Menschen, die ins Land kommen, wollen den Rechtsstaat bewahren – und wer das nicht will, hat hier nichts zu suchen.
Quelle: Adresseavisen

Leave a Reply