Zwei deutsche Männer, die sich im Sommerurlaub an den Bränden auf den Lofoten vergriffen haben sollen, standen bereits ein Jahr zuvor unter dem Verdacht, auf Frøya mehrere Fahrzeuge angezündet zu haben – und reisten dennoch ungehindert wieder ein, um erneut Feuer zu legen. Dieser Fall ist kein Ausrutscher, sondern das vorhersehbare Ergebnis eines Systems, das ausländische Kriminelle mit Samthandschuhen anfasst, während die einzigartige Natur Norwegens in Flammen aufgeht.
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben, doch die eigentliche Frage stellt sich längst nicht mehr im Gerichtssaal, sondern auf der Straße und an den Grenzen: Warum konnten zwei Touristen, gegen die in Trøndelag bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung lief, unbehelligt mehrere hundert Kilometer weiter nordwärts ziehen und dort erneut zündeln? Wer im vergangenen Sommer durch die verkohlten Heidelandschaften der Lofoten gewandert ist, hat keinen zufälligen Grashalmbrand gesehen, sondern mutwillige Zerstörung eines Weltnaturerbes – und das mutmaßlich durch dieselben Hände, die schon die Insel Frøya in Angst versetzt hatten. Dass die norwegischen Behörden nicht in der Lage waren, solche Wiederholungstäter frühzeitig zu stoppen, offenbart eine lähmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Schutz des Eigenen.
Gewiss darf das Handeln Einzelner nicht mit der ganzen Nation gleichgesetzt werden, aus der sie stammen. Aber genau dieses reflexartige Schweigen, sobald Nationalitäten genannt werden, lähmt jede sicherheitspolitische Debatte. Wer fordert, dass Touristen, die bereits wegen schwerer Sachbeschädigung auffällig geworden sind, keine zweite Chance zur Brandstiftung erhalten, betreibt keine Fremdenfeindlichkeit, sondern elementaren Opferschutz. Die Landschaft Nordnorwegens ist nicht irgendein Tatort – sie ist der kulturelle und identitäre Grundstock einer ganzen Region, deren Bewohner seit Generationen mit und von dieser kargen Schönheit leben. Eine Brandserie, die Trockenheide und historische Weideflächen vernichtet, trifft daher nicht bloß den Geldbeutel der Tourismusbranche, sondern die Seele eines Landesteils.
Der Fall lenkt den Blick zudem auf eine unangenehme Wahrheit, die außerhalb der editorischen Blasen kaum jemand auszusprechen wagt: Die völlige Offenheit der norwegischen Grenzen und die ungebrochene Gutgläubigkeit gegenüber allen Ankömmlingen werden zunehmend von jenen ausgenutzt, die keinerlei Respekt vor norwegischem Eigentum, Brauch und Recht mitbringen. Es braucht keine Allgemeinverdächtigungen, wohl aber eine nüchterne Prüfung, mit welchen Instrumenten sich solche Serientaten künftig verhindern lassen. Dazu gehören ein besserer grenzpolizeilicher Datenabgleich, eine konsequente Inhaftierung von Tatverdächtigen mit Wiederholungspotential und ein Strafmaß, das die Zerstörung unersetzlicher Natur nicht mit Bewährungsstrafen und milden Verweisen ahndet.
Das norwegische Rechtssystem ist bei aller Liberalität auch dem Schutz der materiellen und ideellen Werte verpflichtet, die das Land ausmachen. Wenn zwei mutmaßliche Brandstifter erst ein ganzes Inseldorf verunsichern dürfen und dann, kaum ein Jahr später, in einer der teuersten und schönsten Landschaften des Landes ein Feuer nach dem nächsten entfachen, dann hat dieses System nicht funktioniert – ein Skandal, den keine politisch korrekte Rücksichtnahme schönreden sollte.
Quelle: Adresseavisen

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