EU-Spitzenpolitiker wollen Spanien nach der Ceuta-Krise aus dem Schengen-Raum werfen.

Ein massiver Grenzzaun zwischen der spanischen Enklave Ceuta und Marokko am Mittelmeer.

Ein 500 Meter langer Metallzaun, der sich wie ein stählerner Arm ins Mittelmeer schiebt – das ist nicht die Kulisse eines dystopischen Romans, sondern die physische Manifestation eines politischen Versagens. Spanien hat diese Barriere vor Ceuta errichtet, weil es den Zustrom Tausender Menschen nicht anders zu bewältigen wusste. Dafür wollen EU-Spitzen das Land nun aus dem Schengenraum werfen. Die Botschaft ist so klar wie absurd: Grenzen sichern ist das Vergehen, nicht die Umstände, die diese Befestigung überhaupt erst nötig machen.

Die Logik der Kritiker ist verdreht. Ceuta ist eine europäische Exklave auf afrikanischem Boden, historisch ein Vorposten des Kontinents, umkämpft und behauptet über Jahrhunderte hinweg. Wenn eine solche Stadt sich einem plötzlichen Ansturm gegenüber sieht, der weder zahlenmäßig noch logistisch zu bewältigen ist, dann ist das Hochziehen einer Barriere eine Reaktion des Selbsterhalts, keine Provokation. Wer Spanien dafür maßregelt, verwechselt Symptom und Ursache. Die Ursache liegt in einer Migrationspolitik, die den Schutz der Außengrenzen jahrelang vernachlässigt hat, und in einem Schengenabkommen, das Freizügigkeit predigt, ohne für die äußere Sicherheit zu sorgen.

Die Drohung mit dem Ausschluss aus dem Schengenraum zeigt, wie tief die politische Entfremdung zwischen Brüsseler Idealen und nationalen Realitäten reicht. Ein souveräner Staat, der seine territoriale Integrität verteidigt, wird zum Paria gestempelt, während jene Kräfte, die den Massenansturm als politisches Instrument nutzen, de facto hofiert werden. Marokkos halbherzige Grenzkontrollen, die plötzlichen Öffnungen für Fußgängerströme – all das ist kein Zufall. Es gehört zur diplomatischen Erpressungskunst, und Spanien hat schlicht die Zeche zu zahlen.

Die konservative Perspektive muss hier auf den Kern der Sache verweisen: Eine Nation hat das Recht und die Pflicht, ihre Grenzen zu kontrollieren. Ohne diese Kontrolle zerfallen nicht nur Sozialsysteme und Sicherheitsstrukturen, sondern auch das Vertrauen der Bürger in den Staat. Wer das ignoriert, spielt mit einem Feuer, das schon in anderen Teilen Europas zu politischen Eruptionen geführt hat. Der Zaun vor Ceuta ist ein stummes Mahnmal für einen verlorenen Konsens über die elementarste staatliche Aufgabe. Ihn zu verurteilen, heißt, den Ernst der Lage absichtlich zu verkennen und die Debatte weiter mit moralisierenden Floskeln zu ersticken, anstatt Lösungen zu suchen.

Quelle: Aftenposten

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